"Da kann auch Entwicklungshilfe kaum was leisten"

"Da kann auch Entwicklungshilfe kaum was leisten"

Ein Interview mit Dr. Bernhard Walter, Brot für die Welt, zum Welternährungstag 2019

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   16.10.2019 | 07:45 Uhr

Krieg, Gewalt, Klimawandel, Patriarchat und keine guten staatlichen Strukturen - das sind nach Auffassung von Dr. Bernhard Walter ("Brot für die Welt") die größten Risiken für Hungersnöte. In Ländern wie etwa dem Jemen oder dem Sudan könne "auch Entwicklungshilfe kaum was leisten", sagte Walter im SR-Interview zum Welternährungstag.

Über 820 Millionen Menschen auf dem Planeten haben regelmäßig nicht genug zu essen, von gelegentlicher Nahrungsmittelknappheit sind mehr als zwei Milliarden betroffen. Das sind nach Angaben von Dr. Bernhard Walter von der evangelischen Hilfsorganisation "Brot für die Welt" die aktuellen Zahlen zum Welternährungstag.

Frauen besonders betroffen

Besonders Frauen seien betroffen: In manchen Gesellschaften, in denen noch ein starkes Patriarchat herrsche, würden Frauen zwar die Ernäherer-Aufgaben für die gesamte Familie zugewiesen, ihren Hunger aber dürften die Frauen häufig als Letzte stillen. Dies könne sich auch auf noch ungeborene Kinder schwangerer Frauen auswirken, stellte Walter fest.

Krieg und Klimawandel

Das größte Hunger-Risiko herrsche in solchen Ländern, in denen ein Bürgerkrieg stattfinde, Gewalt eine große Rolle spiele, der Klimawandel wirke oder es "keine guten staatlichen Strukturen" gebe - wie etwa im Jemen oder im Sudan. In solchen Ländern könne "auch Entwicklungshilfe kaum was leisten", sagte Walter im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner.

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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 16.10.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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