"Der Aggressor ist die türkische Regierung"

"Der Aggressor ist die türkische Regierung"

Ein Interview mit dem Nahost-Experten Michael Lüders zur Lage in Nordsyrien

Holger Büchner / Onlinefassung: Rick Reitler   15.10.2019 | 07:25 Uhr

Der Nahost-Experte Michael Lüders hat im SR-Interview die Türkei, aber auch die USA, die EU und Deutschland für ihr Verhalten im Syrien-Konflikt scharf kritisiert. Um eine politische Lösung zu finden, müsse nun wahrscheinlich Russland die Rolle des Vermittlers übernehmen.

Der Nahost-Experte Michael Lüders hat die Türkei, aber auch die USA und die EU für ihr Verhalten im Syrien-Konflikt scharf kritisiert. Dass US-Präsident in einem "erratischen Akt" die Kurden habe fallen lassen, habe dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan erst freie Hand zu einem "völkerrechtswidrigen Akt der Landnahme" in Nordostsyrien verschafft, "um dort die kurdischen Autonomiegebiete zu zerschlagen", sagte Lüders im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner.

Kritik an Deutschland

Nun könne die Türkei erst einmal "tun, was sie will". Aus dem Bundesaußenministerium seien nämlich nur "wohlfeile, sehr moralingesättigte" Worte und "mahnende Appelle" zu hören, die allerdings keine Konsequenzen nach sich ziehen würden.

Diplomatie Russlands gefragt

Das Dilemma der Europäer insgesamt sei, dass sie eigentlich nicht wüssten, was sie wollten. Im Syrien-Konflikt spielten sie damit "eigentlich keine Rolle mehr". Um eine politische Lösung zu finden, müsse deshalb wahrscheinlich mittelfristig Russland zwischen dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und der Türkei vermitteln, so Lüders Prognose.

Hintergrund:

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Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 15.10.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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