"Saarbrücken hat zu viel Verkehr auf zu wenig Raum"

"Saarbrücken hat zu viel Verkehr auf zu wenig Raum"

Ein Gespräch mit Jonas Vogt, Verkehrstelematiker an der htw saar, über die Verkehrssituation in Saarbrücken

Kai Schmieding / Onlinefassung: Rick Reitler   09.10.2019 | 07:25 Uhr

Wie könnte man den Verkehrsfluss in Saarbrücken verbessern? SR-Moderator Kai Schmieding hat mit Jonas Vogt von der Forschungsgruppe Verkehrstelematik an der htw saar über 25 Jahre alte Ampeltechnik, intelligente Leitsysteme und die ungünstige Lage der Landeshauptstadt zwischen Hügeln, Fluss und Autobahn gesprochen.


Enge Straßen, wenig bezahlbarer Parkraum, viele Baustellen und alle paar Meter Ampeln, die meist auf rot stehen - Saarbrücken ist alles andere als ein Paradies für Autofahrer. Wie könnte man den Verkehrsfluss optimieren?

Jonas Vogt von der Forschungsgruppe Verkehrstelematik an der htw saar sieht das Hauptproblem darin, dass es letztlich "zu viel Verkehr auf zu wenig Raum" gebe. Dies liege vor allem an der verkehrstechnisch ungünstigen Lage der Stadt zwischen Hügeln, Fluss und Autobahn.

Verkehr beobachten!

Jonas Vogt (HTW Saar) im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding (Foto: Rick Reitler)
Jonas Vogt (HTW Saar) im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding

Auch die Regel-Technik spiele eine Rolle: Immerhin seien Ampelanlagen für eine Lebensdauer von 25 Jahren gedacht - von daher könne nicht jede Kreuzung mit der modernsten, womöglich intelligenten Schaltungstechnik arbeiten.

Zudem gebe es in der Landeshauptstadt "relativ wenige Verkehrsbeobachtungsmöglichkeiten", so dass eine Erfassung der Verkehrsströme bzw. -stockungen höchstens "punktuell, alle paar Jahre mal wieder" stattfinde. "Gerade diese Punkte herauszufinden, um dann den Verkehr zu optimieren, ist glaub' ich, sehr spannend", sagte Vogt.

Auch die unterschiedlichen Interessen von Stadt und Land spielen nach Aufassung Vogts eine Rolle: Während das Land daran interssiert sei, möglichst viel fließenden Verkehr über die Autobahn abzuwickeln, gehe es der Stadt um möglichst viele Zugangspunkte auf bzw. von der Autobahn weg. Hier gelte es, einen "gewissen Interessenausgleich" zu finden.

Hintergrund:

Verkehrsministerkonferenz in Frankfurt
Wie den Bahnverkehr stärken?
Die Länder-Verkehrsminister befassen sich ab dem 9. Oktober in Frankfurt mit den Themen Bahnverkehr und Klimaschutz. Den Vorsitz hat in diesem Jahr das Saarland. Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist bei der Konferenz zu Gast. Rehlinger forderte im Vorfeld eine bessere Fernverkehrsanbindung des Saarlandes.

Mehr zum Thema Verkehr:

Bahn-Experte Walter von Andrian
"In der Schweiz ist vieles besser, aber gar nicht alles"
Auch im Bahn-Musterland Schweiz ist an den Schienen und Bahnhöfen längst nicht immer alles zum Besten bestellt, sagt Walter von Andrian, der Chefredakteur der Schweizer Eisenbahn-Revue, im SR-Interview. Für ihn ist klar: Wer ein zuverlässige und zeitgemäße Infrastruktur haben will, muss dafür Geld in die Hand nehmen.

Dialogforum für den Nationalen Radverkehrsplan
"Wir brauchen ganz dringend Tempo 30"
Kurz vor dem Beginn des Dialogforums für den Nationalen Radverkehrsplan in Berlin hat Annika Meenken vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) im SR-Interview einige Forderungen aufgestellt - zum Beispiel Tempo 30 innerorts, mehr finanzielle Anreize für den Radwegebau und bessere Verknüpfungen zwischen Rad, ÖPNV und Auto.

Mehr zum Thema im Archiv:

saarland.pod
Das "Autoland Saarland" sucht seine Zukunft
"Umbruch oder Abbruch?" – darum dreht sich eine der jüngsten Folgen unseres Politik-Podcast saarland.pod. Diesmal geht es um die Automobilindustrie, die wohl vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte steht.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 09.10.2019 auf SR 2 KulturRadio.

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja