Machtdemonstration in China

Antwort auf das "Jahrhundert der Demütigung"?

Ein Interview mit der China-Expertin Katja Drinhausen vom "Mercator Institute for China Studies" in Berlin über die aktuelle Lage in China

Jochen Marmit. Onlinefassung: Laszlo Mura   01.10.2019 | 17:45 Uhr

China feiert den 70. Jahrestag der Volksrepublik-Gründung und demonstriert mit einer großen Parade sein Militär. Wie können diese Zeichen des Machtanspruchs gedeutet werden, wie fasst das die chinesische Gesellschaft auf und wie steht es mit Chinas Wirtschaft? Darüber hat SR-Moderator Jochen Marmit mit der China-Expertin Katja Drinhausen vom "Mercator Institute for China Studies" (merics) gesprochen.

Katja Drinhausen, Mercator Institute for China Studies (Foto: merics)
Katja Drinhausen, Mercator Institute for China Studies

Die chinesische Regierung wolle mit der Militärparade in Peking seine "nationale Stärke" demonstrieren, erklärte Katja Drinhausen, Mercator Institute for China Studies in Berlin (merics), im SR-Interview. Damit solle signalisiert werden, dass China "auf der internationalen Bühne" angekommen sei und sich endgültig von den Jahren der "kolonialen Fremdbestimmung" zwischen 1840 und 1949 erholt habe.

Signal an Hongkong?

Die Tatsache, dass die "Größenordnung der Militärparade alles Bisherige" übertreffe, spreche für eine lange intensive Planung und Vorbereitung. Nach den Einschätzungen der China-Expertin hat die Militärparade also keinen direkten Bezug zu den Demonstrationen in Hongkong. Sehr wohl richte die Regierung aber Appelle zum Patriotismus und zum nationalen Zusammenhalt an die Hongkonger.

Die klare Botschaft laute: "Nur wenn Einigkeit herrscht und die Demonstrationen aufhören, dann kann Hongkong am Wohlstand des Festlands teilhaben."

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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Abend" vom 01.10.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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