Keine Angst vor dem automobilen Strukturwandel

Keine Angst vor dem automobilen Strukturwandel

Ein Gespräch mit Prof. Stefan Kooth, Institut für Weltwirtschaft Kiel

Audio: Jochen Erdmenger. Foto: Karin Mayer. Onlinefassung: Rick Reitler   30.09.2019 | 08:15 Uhr

Trotz des Strukturwandels sei "es viel zu früh, die Autoindustrie abzuschreiben", meint Prof. Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft Kiel im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Zudem werde die günstige Gesamtsituation am Arbeitsmarkt voraussichtlich dafür Sorgen, dass die Menschen leichter neue Stellen fänden.

Beim Getriebehersteller ZF sind 2200 Stellen in Gefahr, bei der Stahlholding Saar sollen bis 2022 rund 1500 Arbeitsplätze abgebaut werden, weitere 1000 sollen outgesourct werden. Auch bei Halberg Guss und bei Ford Saarlouis stehen wieder Entlassungen im Raum. Somit könnte das Saarland in wenigen Jahren bis zu 5000 Arbeitsplätze in der Auto- bzw. Zulieferindustrie verlieren.

Auto hat Zukunft

Trotzdem sei "es viel zu früh, die Autoindustrie abzuschreiben", meint Prof. Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft Kiel im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Es stehe "außer Frage, dass auch die Automobilindustrie eine Zukunft" habe.

Günstige Arbeitsmarkt-Prognose

Zudem werde die Gesamtsituation am Arbeitsmarkt voraussichtlich günstig bleiben, sagte Kooth voraus. Selbst wenn aufgrund eines Strukturwandels in bestimmten Unternehmen tausende Arbeitsplätze abgebaut würden, "sollten die Menschen es heute viel leichter haben, neue Arbeitsplätze zu finden als etwa noch vor zehn oder zwanzig Jahren". Ein "Masterplan" zum Strukturwandel aber werde "immer nur eine Illusion bleiben".

Die zweite Meinung:

Kommentar: "Es kracht in der Saar-Industrie"
Audio [SR 2, Siegfried Lambert, 30.09.2019, Länge: 02:10 Min.]
Kommentar: "Es kracht in der Saar-Industrie"
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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 30.09.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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