Holzhändler Erik Heinrich: "Wir brauchen vor allen Dingen mehr Wald"

"Wir brauchen vor allen Dingen mehr Wald"

Ein Interview mit Erik Heinrich, Kolumnist und Holzhändler

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   25.09.2019 | 07:15 Uhr

Der brandenburgische Holzhändler Erik Heinrich denkt bereits darüber nach, welche robusten und ertragreichen Baumarten man künftig pflanzen sollte, um dem Klimawandel zu begegnen. Generell, so Heinrichs Überzeugung, brauche es in Deutschland mehr Bäume: mehr Urwald, mehr Nutzwald und mehr Stadtwald. Und jeder Einzelne könne dazu etwas beitragen.

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Erik Heinrich ist Autor, Journalist und Kolumnist auf SR 2 KulturRadio - auch wenn er ganz in der Nähe von Berlin lebt. Dort, mitten auf dem Land, hat er auch einen Holzhandel aufgezogen. Doch "nach zwei Dürresommern und einem Winter ohne Regen" seien besonders die Eichen stark angegriffen, berichtete Heinrich im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner.

Mehr Robinien?

Heinrich ist überzeugt: "Das Klima ist kein heimisches Klima mehr." Er denke bereits darüber nach, welche Baumarten man als Holzhändler künftig kultivieren sollte. Roteichen, Douglasien und vor allem Robinien könnten seiner Einschätzung nach die Zukunft sein. Generell aber gehe es darum, "mehr Wald" zu schaffen: mehr Urwald, mehr Nutzwald, mehr Stadtwald.

Auch Städter können helfen

Hier sei nicht nur die Politik gefragt, denn jeder Einzelne könne dazu etwas beitragen - etwa, indem man im heimischen Garten nicht nur Rasen aussäe, sondern auch "'ner kleinen Baumgruppe Platz" biete.

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Städter sollten sich nicht über zuwenig Pflege der leidenden Bäume beklagen, sondern lieber selbst zum Gartenschlauch greifen. Und wer Holz kaufe, könne auch zu heimischen Sorten greifen - es müsse nicht unbedingt die "nordische Kiefer oder sibirische Lärche" sein. Auch aus deutschem "Kalamitätenholz" könne schließlich noch ein zweckmäßiger Carport entstehen.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 25.09.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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