"Frustration und Parteienskepsis" im Osten?

"Frustration und Parteienskepsis"

Die Buchautorin Jana Hensel über die Gefühlslage in Ostdeutschland

Johannes Kloth. Onlinefassung: Laszlo Mura   04.09.2019 | 15:45 Uhr

Die Buchautorin Jana Hensel gilt als feine Beobachterin ostdeutscher Befindlichkeiten. In ihren Büchern schreibt sie über ihre Kindheit in der DDR und die Schwierigkeiten nach der Wende. Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg haben bestätigt: Identität ist in Ostdeutschland offenbar ein großes Thema. Hensel will in ihrem neuen Buch "Wie alles anders bleibt" aufzeigen, wie die Menschen im Osten fühlen - und warum sie möglicherweise so wählen, wie sie es tun. SR-Moderator Johannes Kloth hat mit ihr gesprochen.

"Migrantischer Kern der ostdeutschen Erfahrung"

"Die Leute sind nicht weggegangen, aber das Land ist verschwunden" - so umschreibt die Autorin Jana Hensel die Zeit nach der Wende. Die Menschen hätten sich in neuen Strukturen und in einer neuen Relatität zurecht finden müssen, so Hensel. Das gleiche könne man auch bei Migranten beobachten, die sich ebenfalls ungewohnten Bedingungen anzupassen hätten.

Der Protestcharakter der AfD

"In allen Nachwende-Jahrzehnten haben sich Frustrationen angesammelt, hat sich eine Institutionen- und Parteienskepsis etablieren können", sagte Hensel im Gespräch mit SR-Moderatror Johannes Kloth. Das sei ein Grund dafür, dass die AfD die Wählerinnen und Wähler im Osten erreichen könne. Sie sei aber überzeugt, dass die ostdeutsche Zivilgesellschaft "massiv" gegen de AfD kämpfe.

Der andere Blickwinkel:

Gründe für den AfD-Erfolg
"Da geht's nicht um Milliarden"
Der Politologe Prof. Thorsten Faas erklärt den AfD-Erfolg in Sachsen und Brandenburg vor allem mit Kränkungsgefühlen ihrer Anhänger: Unter denen seien viele Menschen, die sich von der Politik der etablierten Parteien nicht oder nicht genügend wertgeschätzt sähen. Dieser Verletzung sei auch mit "noch so viel" Geld nicht beizukommen, meint Faas.


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Auf der Suche nach zwei starken Dreier-Bündnissen
Die Wahlen in Sachsen und in Brandenburg sind vorbei, und wie erwartet könnte sich die Regierungsbildung in Dresden und in Potsdam schwierig gestalten: Jeweils mindestens drei Parteien müssen ein Bündnis schmieden, um eine Mehrheit zu sichern. In Sachsen könnte das Schwarz-Grün-Rot heißen, in Brandenburg Rot-Rot-Grün, meint Hauptstadt-Korrespondentin Angela Ulrich.

Reaktionen aus dem Saarland
"Ergebnis der AfD ist höchst alarmierend"
Politiker von SPD, CDU und Linken im Saarland zeigten sich erleichtert darüber, dass es der AfD nicht gelungen ist, bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen stärkste Kraft zu werden. Dennoch sei das gute Ergebnis der Partei "höchst alarmierend", so Anke Rehlinger.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 04.09.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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