Auf der Suche nach zwei starken Dreier-Bündnissen

Auf der Suche nach zwei starken Dreier-Bündnissen

Hauptstadt-Korrespondentin Angela Ulrich über mögliche Bündnisse nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   02.09.2019 | 08:45 Uhr

Die Wahlen in Sachsen und in Brandenburg sind vorbei, und wie erwartet könnte sich die Regierungsbildung in Dresden und in Potsdam schwierig gestalten: Jeweils mindestens drei Parteien müssen ein Bündnis schmieden, um eine Mehrheit zu sichern. In Sachsen könnte das Schwarz-Grün-Rot heißen, in Brandenburg Rot-Rot-Grün, meint Hauptstadt-Korrespondentin Angela Ulrich.

Die AfD ist in Brandenburg und Sachsen bei den Landtagswahlen jeweils klar die zweitstärkste Kraft geworden und damit der große Gewinner - für einen Platz auf der Regierungsbank aber wird es trotzdem nicht reichen. Denn in Sachsen hat noch immer die CDU einige Prozentpunkte mehr geholt; in Brandenburg die SPD.

Alle gegen die AfD

Nun geht es um das Ausloten der Koalitionsmöglichkeiten von Christ- bzw. Sozialdemokraten. Und da wird die AfD von vorneherein noch nicht einmal zu Gesprächen gebeten.

Statistik: Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg
Sachsen Brandenburg
CDU: 32,1 (-7,3 Prozentpunkte) SPD: 26,2 (-5,7 Prozentpunkte)
AfD: 27,5 (+ 17,8) AfD: 23,5 (+ 11,3)
Linke: 10,4 (-8,5) CDU: 15,6 (-7,4)
Bündnis 90 / Die Grünen: 8,6 (+2,9) Bündnis 90 / Die Grünen: 10,8 (+4,6)
SPD: 7,7 (-4,7) Linke: 10,7 (-7,9)
FDP: 4,5 (+ 0,7) BVB/FW: 5,0 (+2,3)
Sonstige: 9,2 (-0,9) FDP: 4,1 (+2,6)
Sonstige: 4,1 (+0,2)
Quelle: Landeswahlleiter Sachsen Quelle: Landeswahlleiter Brandenburg

Zwei Mal Kenia?

In Sachsen könne es auf eine so genannte Kenia-Koalition aus drei Parteien (CDU, Grüne, SPD) hinauslaufen, meint Hauptstadt-Korrespondentin Angela Ulrich im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit, denn dort reiche es "nicht mehr für zwei, schon gar nicht für CDU und SPD".

Auch in Brandenburg seien mindestens drei Parteien unter einen Hut zu bringen, und selbst wenn Rot-rot-grün zu Stande komme, hätte auch diese Koalition "nur eine winzige Mehrheit". Unwahrscheinlich, aber zumindest theoretisch denkbar wäre deshalb auch hier eine Kenia-Koalition aus SPD, Grünen und der CDU.

Schwierig in der Alltagspraxis

"Insofern glaube ich, dass die Regierungsbildung vielleicht gar nicht so schwierig ist wie mal gedacht, aber das Regierungsleben, das wird dann ganz sicher ganz schön schwierig werden", sagte Ulrich.

Die Landtagswahlen aktuell:

Gründe für den AfD-Erfolg
"Da geht's nicht um Milliarden"
Der Politologe Prof. Thorsten Faas erklärt den AfD-Erfolg in Sachsen und Brandenburg vor allem mit Kränkungsgefühlen ihrer Anhänger: Unter denen seien viele Menschen, die sich von der Politik der etablierten Parteien nicht oder nicht genügend wertgeschätzt sähen. Dieser Verletzung sei auch mit "noch so viel" Geld nicht beizukommen, meint Faas.


Erste Reaktionen aus dem Saarland:

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Politiker von SPD, CDU und Linken im Saarland zeigten sich erleichtert darüber, dass es der AfD nicht gelungen ist, bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen stärkste Kraft zu werden. Dennoch sei das gute Ergebnis der Partei "höchst alarmierend", so Anke Rehlinger.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 02.09.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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