Prof. Thorsten Faas: "Da können noch so viele Milliarden nicht helfen"

"Da geht's nicht um Milliarden"

Ein Gespräch mit dem Politologen Prof. Thorsten Faas, FU Berlin, über den Erfolg der AfD

Karin Mayer. Onlinefassung: Rick Reitler   02.09.2019 | 12:35 Uhr

Der Politologe Prof. Thorsten Faas erklärt den AfD-Erfolg in Sachsen und Brandenburg vor allem mit Kränkungsgefühlen ihrer Anhänger: Unter denen seien viele Menschen, die sich von der Politik der etablierten Parteien nicht oder nicht genügend wertgeschätzt sähen. Dieser Verletzung sei auch mit "noch so viel" Geld nicht beizukommen, meint Faas.

Der Politologe Prof. Thorsten Faas erklärt das Erstarken der "Alternative für Deutschland" (AfD) bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg vor allem mit subjektiven Kränkungsgefühlen ihrer Anhänger: Viele Menschen fühlten sich von den seit Jahren herrschenden Parteien nicht genügend wertgeschätzt - schon gar nicht, wenn diese Bürger sich mit Flüchtlingen verglichen.

"Der entscheidende Punkt"

In Ostdeutschland gebe es eine "Wahrnehmung" dass die Politik der Etablierten sich um die Gruppe der Flüchtlinge kümmere - um die Ostdeutschen aber eben nicht. "Das ist der entscheidende Punkt. Und diese mangelnde Wertschätzung, die nutzt die AfD ganz strategisch und gezielt, und da scheitern die anderen Parteien", erläuterte Faas im Gespräch mit SR-Moderatorin Karin Mayer.

Dabei gehe es den AfD-Wäherinnen und -Wählern gar nicht so sehr um die Milliarden für die Flüchtlinge, sondern um verletzte Gefühle: "Das scheint mir eigentlich die stärkere Triebfeder zu sein; so ein Gefühl der Deprivation, dass man nicht das bekommen hat, was einem zusteht", so Faas weiter, "und da können noch so viele Milliarden nicht helfen, wenn es diese Wahrnehmung gibt, dass man ungerecht behandelt wird."

Zwei Wähler-Reservoirs

Insgesamt sieht Faas zwei "Reservoirs", aus denen die AfD-Wähler stammten: "Einerseits wirklich unzufriedene Protestwählerinnen und Protestwähler; aber es gelingt der AfD auch zunehmend, ein so genanntes 'rechtes Lager' für sich zu einen." Insgesamt seien die Wähler in den östlichen Bundesländern sehr viel flexibler in ihrem Wahlverhalten, gab Faas zu bedenken.


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Hintergrund:

Ein Thema u. a. in der "Bilanz am Mittag" am 02.09.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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