"Die tropischen Bäume sind gar nicht an das Feuer angepasst"

"Die tropischen Bäume sind gar nicht an das Feuer angepasst"

Ein Gespräch mit der Brandökologin Kirsten Thonicke, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   26.08.2019 | 08:45 Uhr

Für die Brandökologin Kirsten Thonicke bedeuten die brennenden Regenwälder in Brasilien eine große Gefahr: Das Feuer zerstöre nicht nur den uralten Baumbestand, sondern das gesamte Ökosystem - mit möglicherweise schweren globalen Folgen. Sie gehe davon aus, dass der Klimawandel noch weiter angeheizt werde.

Die Zahl der Brände im Regenwaldgebiet am Amazonas in Brasilien ist in diesem Jahr drastisch gestiegen: An 70.000 Stellen sind mittlerweile Feuer entflammt, fast doppelt soviele wie im gesamten Jahr 2018.

Düstere Prognose

Für Kirsten Thonicke, einer Wald- und Brandökologin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, bedeutet das eine große Gefahr: Das Feuer zerstöre nicht nur den uralten Baumbestand, sondern das gesamte Ökosystem Regenwald - mit möglicherweise schweren globalen Folgen. "Die tropischen Bäume sind gar nicht an das Feuer angepasst", sagte Thonicke im SR.

Sie gehe davon aus, dass der Klimawandel nun noch weiter angeheizt werde: Einerseits durch das im Rauch frei gesetzte CO2, andererseits auch durch jenes CO2, für dessen Aufnahme nun die Bäume fehlten. Schuld an allem sei "der Mensch", denn dieser trage "durch seine Aktivitäten das Feuer in ein Waldsystem rein, wo es nicht hingehört".

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 26.08.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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