"Jede Bewegung braucht ikonische Figuren"

"Jede Bewegung braucht ikonische Figuren"

Ein Gespräch mit Prof. Harald Welzer von der Stiftung "Zukunftsfähigkeit" der Universität Flensburg über Greta Thunberg und die Klima-Aktivisten

Katrin Aue. Onlinefassung: Laszlo Mura   20.08.2019 | 08:55 Uhr

Vor einem Jahr hat sich Greta Thunberg zum ersten Mal vor den Reichstag in Stockholm gesetzt, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Heute ist die junge Schwedin eines der weltweit bekanntesten Gesichter und hat eine große Anhängerschaft. SR-Moderatorin Katrin Aue hat sich mit Prof. Harald Welzer von der Stiftung "Zukunftsfähigkeit" der Universität Flensburg unterhalten und Thunbergs Rolle im Weltgeschehen beleuchtet.

Demonstrierende Schüler in Saarbrücken (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)
Archivbild: Demonstrierende Schüler in Saarbrücken (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)


"Ein Wissenschaftsthema zu einem Gerechtigkeitsthema" machen zu können, darin sieht Professor Harald Welzer die Besonderheit von Klima-Aktivistin Greta Thunberg. Der gesamten Klimaforschung samt ihrer politischen Forderungen sei das vorher nicht gelungen.

Hohe Symbolkraft

Eine 16-Jährige, die im Tenor mit ihrer großen jugendlichen Anhängerschaft "Ihr nehmt uns unsere Zukunft" predige, habe eine große symbolische Wirkung, erklärt Welzer. Damit habe die Bewegung auch "schon sehr viel erreicht". Durch die mediale Aufmerksamkeit sei der Klimawandel innerhalb eines Jahres zum dominierenden Thema der Politik geworden.

Von der Masse abheben

Um sich mit einer Bewegung identifizieren zu können, brauche es ikonische Figuren, meint Prof. Harald Welzer. Greta Thunberg hebe sich in ihrer Person stark von der Masse ab. Ihr teilweise skurriles Auftreten mache "sie für diese ikonische Rolle super geeignet".

Natürlich stoße die junge Schwedin auch auf Ablehnung. Die Ursache dafür sieht Welzer darin, dass die Bewegung den Lebensstil aller anderen in Frage stelle. Dieses Phänomen sei aber nicht auf Thunberg beschränkt. Auch Menschen, die beispielsweise ihre Essgewohnheiten änderten und verbreiten wollten, träfen auf "wahnsinnige Aggressionen", so Welzer.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 20.08.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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