"Deutsche Außenpolitik hat irgendwo ihren Kompass verloren"

"Deutsche Außenpolitik hat irgendwo ihren Kompass verloren"

Ein Interview mit Prof. Joachim Krause, Direktor des Kieler Instituts für Sicherheitspolitik

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   13.08.2019 | 08:25 Uhr

Der Politikwissenschaftler Prof. Joachim Krause hat die Aktivitäten von Außenminister Heiko Maas im SR-Interview stark kritisiert: Wie schon seine Amtsvorgänger gebe Maas weniger die nötige strategische Orientierung vor, sondern beschränke sich darauf, viel zu reisen, viel zu warnen und US-Präsident Donald Trump zu trotzen.

Außenminister Heiko Maas (SPD) ist wieder mal auf der großen Weltbühne unterwegs: Gerade jettet er zu einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats nach New York, dann geht's weiter nach Kanada, um über einen neuen, globalen, multilateralen Politikansatz zu diskutieren.

Der Politikwissenschaftler Prof. Joachim Krause vom Kieler Institut für Sicherheitspolitik sieht Maas' Bemühungen inzwischen sehr kritisch - ebenso wie die Leistungen seiner jüngsten Vorgänger. Nicht erst seit Donald Trump ins Weiße Haus eingezogen sei, mangele es der deutschen Außenpolitik an einem "Kompass", bemängelte Krause im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger.

Keine Orientierung mehr

Seit den Zeiten von Fischer, Kinkel und Westerwelle habe Deutschland "Außenminister, die sich hauptsächlich darin gefallen, viel rumzufliegen und überall davor zu warnen, dass große Katastrophen passieren können - aber wir haben keine Außenminister mehr, die wirklich noch strategisch eine Orientierung geben, bei denen man den Eindruck hat, sie sind mit den großen Problemen, die Deutschland oder Europa hat, wirklich mit diesen Problemen vertraut", sagte Krause. Wegen der eigenen Beschränkung auf "Aktivitätsdiplomatie" gingen auf dem internationalen Parkett mittlerweile "die großen Probleme an uns vorbei".

Trotzreaktionen gegen Trump

Statt sich um Schadensbegrenzung im Verhältnis zu Donald Trump zu bemühen - immerhin der Präsident des wichtigsten Verbündeten USA - ziehe die Bundesregierung es vor, eine "massive Trotzreaktion" zu zeigen. "Und das ist nicht unbedingt das Richtige", rügte Krause.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 13.08.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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