SPD-Kandidat Ahrens: "GroKo schnellstmöglich verlassen"

"GroKo geordnet, aber schnellstmöglich verlassen"

Ein Gespräch mit Alexander Ahrens, Kandidat für den SPD-Parteivorsitz und Oberbürgermeister von Bautzen

Thomas Shihabi. Onlinefassung: Rick Reitler   06.08.2019 | 12:50 Uhr

Zu den Bewerbern um das Amt des SPD-Parteivorsitzes gehört auch der Bautzener OB Alexander Ahrens. SR-Moderator Thomas Shihabi hat mit ihm u. a. über sein Verhältnis zur Partei, über seine Ideen für ein Wieder-Erstarken der Sozialdemokraten, über den Preis von Hartz IV und über AfD-Wähler gesprochen. Ahrens steht offenbar auf der Seite derjenigen, die die "GroKo" schnell auflösen wollen.

Drei gemischte Duos und ein Einzelbewerber wollen sich bisher auf die Kandidatenliste für den SPD-Parteivorsitz setzen lassen. Mit dabei ist das Doppel aus Simone Lange und Alexander Ahrens. Beide sind Oberbürgermeister - sie in Flensburg, er in Bautzen.

16 Jahre lang nicht dabei

Er habe schon seine "Verzweiflungsmomente mit dieser Partei" gehabt, gab Ahrens im Gespräch mit SR-Moderator Thomas Shihabi zu. Deswegen sei er 2001 auch ausgetreten - aber 16 Jahre später auch wieder eingetreten: "Weil ich's einfach nicht mehr mitansehen konnte, was aus der Partei geworden ist".

Hartz IV: "Der Preis ist zu hoch"

Im Vergleich zur Rolle der SPD in der Nachkriegszeit, als die Partei noch Impulsgeber gewesen sei, sei mittlerweile "Einiges auf der Strecke geblieben", sagte Ahrens, "und da wollen wir wieder anknüpfen."

Konkret nannte Ahrens die Hartz IV-Politik aus der Ära Gerhard Schröder: Diese Reform habe zwar "der Bundesrepublik" genutzt, Millionen Menschen aber "Entwürdigungserfahrungen" beschert. "Der Preis ist zu hoch, und da müssen wir 'ran", so Ahrens' Versprechen.

GroKo schnell verlassen!

Von einer Zukunft an der Seite der Union hält Ahrens bis auf Weiteres nichts: Sollte er zusammen mit Simone Lange das Rennen machen, so werde er dafür eintreten, die Große Koalition "geordnet, aber schnellstmöglich" zu verlassen. Auch das jahrelange Festhalten an der GroKo habe zur aktuellen Situation der Partei geführt. "Die Empfehlung von uns beiden wird da sehr deutlich sein", so Ahrens.

AfD-Wähler zurückgewinnen

Vor der AfD sei ihm im Übrigen "nicht bange": Deren Wähler seien nämlich keineswegs alle "rechtsaffin", betonte Ahrens. Gerade in Ostdeutschland habe ihr Protest wenig mit wirtschaftlichen Gründen zu tun. "Es hat damit zu tun, dass auch da, in Ostdeutschland, ganz viele Menschen das Gefühl haben, die in Berlin machen wieder wie früher, was sie wollen und das interessiert sie gar nicht, was bei uns passiert und was uns wichtig ist". Diese Wähler wolle er auf jeden Fall "wiederhaben".

Mehr Wertschätzung für Arbeitnehmer

Für ihn sei es an der Zeit, dass gerade jene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die dafür sorgten, "dass unser Land funktioniert", wieder mehr "Wertschätzung" durch die SPD erführen. Die Partei habe sich nämlich "so ein bisschen davon verabschiedet, ein Auge dafür zu haben, dass sich Leistung eben auch lohnen muss", gab Ahrens zu.

Die Kandidaten auf einen Blick
(Stand: 6. August 2019):

  • Simone Lange (OB Flensburg) und Alexander Ahrens (OB Bautzen)
  • Nina Scheer (MdB) & Karl Lauterbach (MdB)
  • Christina Kampmann (Ex-Familienministerin NRW) & Michael Roth (Europa-Staatsminister)
  • Robert Maier, Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums

Der Parteivorsitz soll nach einer Mitgliederbefragung spätestens zwischen dem 6. und 8. Dezember 2019 auf dem Bundesparteitag in Berlin endgültig beschlossen werden. Vorausgehen soll dem eine Reihe von 23 "Regionalkonferenzen". Diese beginnen am 4. September in Saarbrücken.

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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 06.08.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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