"Erheblicher Einbruch" des Wald-Zuwachses befürchtet

"Erheblicher Einbruch" des Wald-Zuwachses befürchtet

Ein Interview mit Prof. Andreas Bolte, Leiter des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   02.08.2019 | 07:55 Uhr

Der Waldökologe Prof. Andreas Bolte geht angesichts zweier trockener Sommer von einem "erheblichen Einbruch" im Zuwachs der deutschen Wälder aus. Langfristige Lösungen müssten her, um die Wälder "fit" zu machen "für den Klimawandel". Einen Ansatz sieht er in der Anpflanzung resistenterer Baumarten.

Ist die Lage des deutschen Waldes nach dem zweiten trockenen Sommer in Folge wirklich so dramatisch wie befürchtet? SR-Moderator Jochen Marmit hat bei Prof. Andreas Bolte vom Johann Heinrich von Thünen-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, nachgefragt.

"Schwächelnde" Fichte

Als "alarmierend" bezeichnete Bolte den Befund, dass die Fichte als "Hauptzuwachsträger" und CO2-Speicher "jetzt schwächelt". Wegen des 40-prozentigen Anteils der Fichte am Zuwachs des deutschen Waldes gehe er von einem "erheblichen Einbruch" aus.

Für den Mischwald

Der Waldökologe ist überzeugt, dass dringend etwas getan werden müsse: "Wir brauchen langfristige Lösungen", sagte Bolte. Es gehe darum, die Wälder nun "fit" zu machen "für den Klimawandel" - zum Beispiel mit der Aufforstung geeigneterer, resistenterer Baumarten als Fichte oder Buche, am besten in einer ausreichenden Mischung.

Hintergrund

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will im September einen "nationalen Waldgipfel" veranstalten. Dabei soll es unter anderem um ein großes Aufforstungsprogramm gehen.

Symbolbild: Wanderer an einem See im Wald (Foto: SR)


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 02.08.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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