"AnkER-Zentren als flächendeckendes Instrument gescheitert"

"AnkER-Zentren als flächendeckendes Instrument gescheitert"

Ein Interview mit dem Migrationsexperten Prof. Hannes Schammann, Universität Hildesheim

Katrin Aue / Onlinefassung: Rick Reitler   01.08.2019 | 12:35 Uhr

Der Migrationsexperte Prof. Hannes Schammann hat ein Jahr nach der Inbetriebnahme des ersten deutschen "AnkER-Zentrums" eine insgesamt negative Bilanz gezogen. Nachbesserungsbedaf sieht Schammann u. a. in den Punkten Verweildauer, Kinder-Beschulung und Traumabewältigung.

Der Politikwissenschaftler und Migrationsexperte Prof. Hannes Schammann von der Universität Hildesheim hat ein Jahr nach der Inbetriebnahme des ersten deutschen "AnkER-Zentrums" in Bayern eine insgesamt negative Bilanz gezogen.

"Unabhängige Evaluation steht noch aus"

Eine fundierte Bewertung könne man derzeit zwar noch nicht abgeben, räumte Schamman im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue ein. Es gebe allerdings "sehr viel Kritik auch von den Flüchtlingsräten", erklärte Schammann.

Der Migrationsexperte Prof. Hannes Schammann (Foto: Isa Lange)
Der Migrationsexperte Prof. Hannes Schammann (Foto: Isa Lange)

Konflikte

Als "flächendeckendes Instrument" sei der Ansatz jedenfalls "gescheitert" - schon, weil auch ein Jahr nach ihrer Einführung bundesweit gerade einmal neun solcher offizieller Zentren existierten.

Nachbesserungsbedaf sieht Schammann u. a. in den Punkten Verweildauer, Kinder-Beschulung und Traumabewältigung. Zudem begünstigten AnkER-Zentren das Entstehen von Konflikten unter ihren Bewohnern, so Schammann.


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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 01.08.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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