100 Tage bis zum Brexit: Boris Johnson unter Druck

Boris Johnson unter Druck

Ein Interview mit London-Korrespondent Thomas Spickhofen

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   24.07.2019 | 08:15 Uhr

Auch der neue britische Premierminister Boris Johnson wird es schwer haben, den Austritt aus der EU über die Bühne zu bringen, meint London-Korrespondent Thomas Spickhofen. Ein zweites Brexit-Referendum hält er für unwahrscheinlich, Neuwahlen innerhalb weniger Monate allerdings durchaus für möglich. Ein Interview.

Auch der neue britische Premierminister Boris Johnson wird es schwer haben, den Austritt aus der EU zum Stichtag 31. Oktober 2019 über die Bühne zu bringen, meint London-Korrespondent Thomas Spickhofen im SR-Interview.

"Mit umgekehrten Vorzeichen"

Die Probleme seien für Johnson ja die gleichen wie bei seiner Vorgängerin Theresa May, nur "mit umgekehrten Vorzeichen: Theresa May hatte ihre Probleme mit den Brexit-Hardlinern. Und umgekehrt hat er jetzt seine Probleme mit denen, die eine engere Anlehnung an die EU weiterhin befürworten", brachte es Spickhofen auf den Punkt.

Nur knappe Mehrheit im Parlament

Erschwerend komme hinzu, dass Johnson nur eine hauchdünne Mehrheit im Parlament auf seiner Seite habe - und selbst diese könne leicht abschmelzen, wenn Johnson gegen die Interessen bestimmter konservativer Abgeordneter handeln wolle.

Ein zweites Referendum zum Brexit hält Spickhofen für unwahrscheinlich, Neuwahlen innerhalb weniger Monate allerdings durchaus für möglich. Am Mittwoch, 24. Juli, steht aber zunächst die offizielle Amtsübergabe von Theresa May als Parteichefin und Premierministerin an Johnson auf dem Kalender.


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 24.07.2019 auf SR 2 KulturRadio.