Kolling: "Wir werden nicht jedes Krankenhaus halten können"

"Wir werden nicht jedes Krankenhaus halten können"

Ein Gespräch mit Stephan Kolling (CDU), Staatssekretär im Gesundheitsministerium des Saarlandes, über die aktuelle Bertelsmann-Studie zur Krankenhausdichte

Interview: Karin Mayer. Onlinefassung: Rick Reitler   15.07.2019 | 15:00 Uhr

Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling hat die Ideen einer Bertelsmann-Studie begrüßt, nach der mehr als die Hälfte der Krankenhäuser in Deutschland geschlossen werden könnten. Im SR-Interview unterstützte Kolling den Weg von "Spezialisierung und Konzentration". Handlungsbedarf sehe er auch bei den vielen stationären Patienten-Aufenthalten.

Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling (Foto: SR)
Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling

Rund jedes zweite Krankenhaus in Deutschland ist nach Überzeugung der Bertelsmann Stiftung überflüssig: Derzeit bundesweit 1.700 Krankenhäusern könnten auf 600 Häuser zusammengestrichen werden, die dann mehr Mittel und Personal erhalten könnten.

Stephan Kolling (CDU), Staatssekretär im saarländischen Gesundheitsministerium, wertete die Ideen der Bertelsmann-Studie im Gespräch mit SR-Moderatorin Karin Mayer als einen "Blick in die richtige Richtung, wie Krankenhaus der Zukunft aussehen" müsse. Viele der Überlegungen der Studie seien bereits im aktuellen Krankenhausplan des Saarlandes umgesetzt.

Kooperation und Spezialisierung

Es bedürfe allerdings bei den derzeit noch 22 Krankenhäusern an der Saar mehr Spezialisierung und Konzentration, um die Kliniklandschaft in Sachen Erreichbarkeit, Wirtschaftsstärke und Qualität fit zu machen, forderte Kolling. "Wir werden natürlich nicht jedes Krankenhaus halten können, es wird Zusammenarbeit geben müssen, es wird Spezialisierung geben müssen", räumte Kolling ein.

Kostenträger entscheidend

Auf jeden Fall müssten noch "Strukturen" geschaffen werden, um mehr der derzeit noch stationär untergebrachten Patienten "in ambulante Behandlung zu bringen", sagte Kolling.

Die Entscheidungen darüber, wie viele Einrichtungen am Ende wo geschlossen werden müssten, lägen allerdings bei den Kostenträgern. Er gehe davon aus, dass nach der Sommerpause entsprechende Gespräche zwischen Regierung und Kostenträgern stattfinden werden.

Kritik an "Reißbrett"-Studie

Auch Kritik äußerte Kolling an der Bertelsmann-Studie: "Man kann einen Krankenhausplan nicht auf dem Reißbrett entwerfen", sagte der Christdemokrat. Die Studie entwerfe ein Idealbild, das historische und gewachsene Strukturen außer Acht lasse. Kliniken wie Losheim, Lebach oder St. Wendel hätten nach wie vor eine Daseinsberechtigung. Die Studie treffe zudem keine Aussage darüber, wie die ambulante Versorgung aussehen und wie eine solche Krankenhauslandschaft finanziert werden soll.


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 15.07.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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