Afrika-Experte Rainer Tetzlaff: Zeit für eine andere Entwicklungshilfe-Politik!

Zeit für eine andere Entwicklungshilfe-Politik!

Ein Interview mit dem Afrika-Experten Prof. Rainer Tetzlaff

Thomas Shihabi   12.07.2019 | 12:40 Uhr

Der Afrika-Experte Prof. Rainer Tetzlaff hat anlässlich der Berliner Feierlichkeiten zum Thema 50 Jahre Entwicklungshelfergesetz ein Umdenken in der deutschen Politik gefordert.

"Hilfe zur Selbsthilfe"-Ansatz gescheitert

Entwicklungshilfe habe "doch das, was sie eigentlich mal sollte, nämlich 'Hilfe zur Selbsthilfe' zu sein in den armen Ländern, nicht wirklich erreicht", sagte Tetzlaff im Gespräch mit SR-Moderator Thomas Shihabi. Nur einzelne Entwicklungsprojekte im lokalen Raum, etwa im Bildungs- oder Verkehrswesen, hätten sich "segensreich" ausgewirkt - die große Hoffnung auf einen strukturellen Wandel habe sich aber für die allermeisten der 54 Länder Afrikas nicht erfüllt.

Appell an Afrikas Staaten

Abgesehen von der noch immer "unbedingt wichtigen" Katastrophen- und Nothilfe sei es an den Staaten selbst, dafür zu sorgen, dass ihre eigenen "Grundaufgaben" im Bereich der Grundversorgung, im Bildungs-, im Gesundheits- und im Verkehrssystem nicht mehr länger "von 50 ausländischen Regierungen und deren Entwicklungshilfe-Organisationen und von hunderten NGO's und den UN-Organisationen" übernommen werde. Andernfalls entstünden vor Ort "Schieflagen", die der Demokratie "nicht förderlich" seien, so Tetzlaff. Er schlug zudem vor, die Agrar-Exporte nach Afrika einzustellen und "vernünftige Migrationspartnerschaften" ins Leben zu rufen.

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Judith Ohene, Weltfriedensdienst
Die Welt im Gepäck
50 Jahre Entwicklungshelfergesetz - das wird am 12. Juli in Berlin mit einem Fest für zurückgekehrte Fachkräfte aus dem Entwicklungsdienst gefeiert. Eiin guter Anlass auch für SR-Moderator Jochen Erdmenger, um einmal mit Ute Ohene vom Weltfriedensdienst zu sprechen.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 12.07.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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