"Sea Watch sieht sich komplett im Recht"

"Sea Watch sieht sich komplett im Recht"

Ein Gespräch mit Hauptstadt-Korrespondent Markus Sambale über den Fall Carola Rackete

Thomas Shihabi   02.07.2019 | 12:45 Uhr

Die Hilfsorganisation Sea Watch sieht ihre Seenotretterin Carola Rackete völlig im Recht - im Gegensatz zu den italienischen Behörden. Die Rettungsorganisation beruft sich auf das ungeschriebene Gesetz des "Nothafenrechts" und auf das deutsche Grundgesetz, wie Hauptstadtkorrespondent Markus Sambale im SR-Interview berichtet.

Die italienische Staatsanwaltschaft wirft der deutschen Sea Watch-Aktivistin Carola Rackete Widerstand gegen ein Militärschiff und Vollstreckungsbeamte vor. Außerdem wird gegen sie wegen Beihilfe zur illegalen Migration ermittelt. Zurzeit sitzt die Kapitänin auf Anordnung der italienischen Behörden im Hausarrest. Ihr Schiff wurde beschlagnahmt. Im schlimmsten Fall drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft.

Sea Watch beruft sich auf "Notstand"

Die Hilfsorganisation Sea Watch sieht das völlig anders, beruft sich auf das bei Notständen geltende, ungeschriebene Gesetz des "Nothafenrechts" und auf das deutsche Grundgesetz, wie Hauptstadtkorrespondent Markus Sambale im Gespräch mit SR-Moderator Thomas Shihabi erläutert.

40 Afrikaner an Bord

Die deutsche Carola Rackete hatte als Kapitän mit ihrem Schiff "Sea Watch 3" rund 40 afrikanische Flüchtlinge nach rund zwei Wochen Fahrt an den Hafen von Lampedusa gebracht - gegen das ausdrückliche Verbot der italienischen Regierung.

Der juristische Blickwinkel:

Seerechtsexperte Prof. Uwe Jenisch, Uni Kiel
"Eine politische Antwort der Europäer ist da erforderlich"
Im Streit um die deutsche Seenotretterin Carola Rackete hat sich der Kieler Seerechtsexperte Prof. Uwe Jenisch dafür ausgesprochen, dass alle Staaten die Seenotrettung endlich gemeinsam organisieren, die Europäer zudem "an den Ursachen ansetzen" und eine "Quotierung" zur Schulterung der Lasten vornehmen.


Mehr zum Thema:

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Rackete bleibt unter Hausarrest
Die Entscheidung über einen möglichen Haftbefehl für die "Sea-Watch"-Kapitänin Rackete ist auf den 2. Juli vertagt worden. Bis dahin bleibt sie unter Hausarrest. Auch Italiens Premier Conte äußerte sich zu dem Fall.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 02.07.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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