"Eine politische Antwort der Europäer ist da erforderlich"

"Eine politische Antwort der Europäer ist da erforderlich"

Ein Gespräch mit dem Seerechtsexperten Prof. Uwe Jenisch, Uni Kiel

Holger Büchner   02.07.2019 | 06:45 Uhr

Die deutsche Carola Rackete hat als Kapitän mit ihrem Schiff "Sea Watch 3" rund 40 afrikanische Flüchtlinge an den Hafen von Lampedusa gebracht - gegen das ausdrückliche Verbot der italienischen Regierung. Nun erwartet sie ein Gerichtsverfahren.

Greift das "Nothafenrecht"?

Für den Kieler Seerechtsexperten Prof. Uwe Jenisch ein durchaus zwiespältiger Fall: Einerseits sei das internationale Seerecht gar nicht auf Massenfluchtbewegungen ausgelegt, andererseits könne sich Rackete womöglich glaubhaft auf das ungeschriebene Gesetz des "Nothafenrechts" berufen. Wichtig erscheint ihm, dass alle Staaten die Seenotrettung endlich gemeinsam organisieren, die Europäer zudem "an den Ursachen ansetzen" und eine "Quotierung" zur Schulterung der Lasten vornehmen.

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Hauptstadt-Korrespondent Markus Sambale
"Sea Watch sieht sich komplett im Recht"
Die Hilfsorganisation Sea Watch sieht ihre Seenotretterin Carola Rackete völlig im Recht - im Gegensatz zu den italienischen Behörden. Die Rettungsorganisation beruft sich auf das ungeschriebene Gesetz des "Nothafenrechts" und auf das deutsche Grundgesetz, wie Hauptstadtkorrespondent Markus Sambale im SR-Interview berichtet.

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Rackete bleibt unter Hausarrest
Die Entscheidung über einen möglichen Haftbefehl für die "Sea-Watch"-Kapitänin Rackete ist auf den 2. Juli vertagt worden. Bis dahin bleibt sie unter Hausarrest. Auch Italiens Premier Conte äußerte sich zu dem Fall.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 02.07.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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