Wir im Saarland - Kultur extra (26.06.2019)

Wir im Saarland - Kultur extra

 

Viel Licht, aber auch Schatten: Nach 20 Jahren, in denen Meinrad Maria Grewenig das Weltkulturerbe Völklinger Hütte gemanagt hat, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Was ist gut, was kann ein Nachfolger besser machen? Wir im Saarland – Kultur widmet der rostigen Industriekathedrale eine Spezialausgabe.

Sendung: Mittwoch 25.06.2019 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Der Herr der Superlative geht – Grewenigs ganz persönliche Bilanz zum Abschied

Bilanz nach 20 Jahren Weltkulturerbe
"Wir haben eine neue Industriekultur entworfen"

Ihm selbst fällt niemand ein, der seinen Posten übernehmen könnte. Nicht nur deshalb hat der scheidende Hüttendirektor lange dafür gekämpft, seinen Vertrag um weitere fünf Jahre zu verlängern. Zum Abschluss lud er noch einmal die Presse zu sich, um selbst Bilanz zu ziehen.


Das Denkmal - eine Erfolgsgeschichte trotz Verganenheit?

Vor 20 Jahren hatte die Völklinger Hütte noch ein gänzlich schlechtes Image. Vorgänger Franz Zeithammer hatte das noch junge Weltkulturerbe in einem verheerenden Zustand hinterlassen. Bislang rund 160 Millionen Euro Investitionen in eine überwiegend kluge Sanierung und viel Marketing haben die Hütte zu einem Tourismusmagneten gemacht.

1999 glaubte die saarländische Politik noch nicht daran, dass es einmal einen 7 Kilometer langen Weg durch sanierte und erschlossene Teile der Anlagen geben würde; die Rede war von einem „kontrollierten Verfall“. Mit EU-, Bundes- und Landesgeldern hangelte sich der Hüttendirektor durch die einzelnen Sanierungsabschnitte – ein Verdienst Grewenigs und der politischen Begleiter. Während die Instandsetzung allgemein gelobt wird, gibt es auch Kritikpunkte: Die dauerhafte (Manche sagen: Über-) Nutzung der Gebläsehalle für Ausstellungen, die den Kern der Maschinenhalle beschädigen und ihr die Sichtbarkeit nehmen; keine Anbindung der Hütte an die Stadt Völklingen, schleppende Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte in der Nazizeit, wenig Informationen zur Industrie- und Sozialgeschichte. Unser Autor Uwe Loebens ist im Schatten der „Verbotenen Stadt“ Völklinger Hütte aufgewachsen, ist 25 Jahre lang von ihr geprägt worden. Er zieht eine persönliche Bilanz der Ära Grewenig.


Gold, Glamour und Glitzer – die Bespielung der Hütte in der Grewenig-Ära

Ob Inkas oder Pharaonen – Meinrad Maria Grewenig zeigte in den letzten vier Jahren gleich viermal Ausstellungen, die mit viel Gold auf riesigen Plakaten warben. Die Besucherzahlen schnellten in die Höhe, lagen meist deutlich über 100.000. Doch was die englische Queen und die Inkas in der Völklinger Hütte verloren haben, fragen sich Kritiker.

Seit 35 Jahren befasst sich Plettenberg mit diesem Thema; als sie als Journalistin in den Ruhestand ging, erhielt sie von Grewenig den Auftrag, sich für das Welterbe mit der Zwangsarbeit und den Röchlings auseinanderzusetzen. Lange war Grewenig kritisiert worden, dass er sich den unangenehmeren Themen der Hütte nicht stellt; es wird sogar behauptet, man habe ihn stark dazu drängen müssen. Doch in den vergangenen Jahren wurde systematisch gearbeitet; auf über 500 Seiten dokumentiert Plettenberg jetzt, was sie seit 2011 in Archiven und Behörden recherchiert hat.  


Der Blick nach vorne – was bleibt zu tun?

Auch wenn die Hütte heute den Eindruck erweckt, (fast) fertig saniert zu sein, so ist dies doch ein Trugschluss. Der Koloss rostet weiter, der Weltkulturerbestatus muss immer neu erkämpft werden.

Eine Findungskommission soll eingesetzt werden, um einen neuen Chef / eine neue Chefin für die landeseigene Weltkulturerebe-GmbH zu finden. Für die kommenden 12 Monate ist daher zunächst mit einer Übergangslösung zu rechnen – das Pharaonengold wird wie üblich verlängert werden, so lange es geht. Doch welche Erwartungen hat die Politik an den/die Neue/n? Dazu spricht Jochen Erdmenger mit Kulturminister Ulrich Commerçon. Und Wir im Saarland – Kultur wird ihn mit einer eigenen Wunschliste konfrontieren.


Moderation: Jochen Erdmenger

Die Moderatoren des neuen Vorabends: Jochen Erdmenger, Susanne Gebhardt und Marcel Lütz-Binder. (Foto: SR)

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