"Es sind im Prinzip wenige Cent pro Ei"

"Es sind im Prinzip wenige Cent pro Ei"

Ein Gespräch mit dem Tierschützer Dr. Thomas Bartels vor dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig zur Legalität des "Kükenschredderns"

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   13.06.2019 | 07:50 Uhr
Aktuell: Das Urteil
Kükentötungen bleiben vorerst erlaubt
Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) Leipzig hat das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht vorerst noch als rechtmäßig bestätigt. Bis zur Einführung von alternativen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei dürfen Brutbetriebe männliche Küken damit weiter töten.


Gehört die Massenvernichtung von männlichen Küken in Deutschland verboten? Der Tiermediziner Dr. Thomas Bartels vom Friedrich-Löffler-Institut für Tierschutz in Celle hofft im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit auf ein entsprechendes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig. Das hat am 13. Juni über die seit Jahren heiß umstrittene Frage zu entscheiden.

Und das Ausland?

"Jedes Verfahren, was vor dem Schlupf ansetzt, ist besser als das Töten der Küken nach dem Schlupf", meinte Bartels im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Der Veterinär setzt zudem darauf, dass die Verbraucher bereit sein werden, etwas höhere Kosten für Geflügelprodukte in Kauf zu nehmen. Konkret gehe es dabei um "wenige Cent pro Ei". Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Aufträge für das "Kükenschreddern" einfach an Produzenten jenseits der Grenze ausgelagert würden.

Hintergrund

45 Millionen männliche Küken werden allein in Deutschland jedes Jahr direkt nach dem Schlüpfen aus dem Ei getötet. Der Grund: Hähnchen lassen sich nicht so leicht und kostengünstig mästen wie Hühnchen. Zudem legen ja nur die weiblichen Vögel Eier. Das Kükenschreddern ist aus ethischen Gründen allerdings schon lange umstritten. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat nun am 13. Juni darüber zu entscheiden, ob die Massenvernichtung von männlichen Küken in Deutschland verboten wird.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 13.06.2019 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt ein männliches Küken (Foto: dpa/Peter Endig)

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