Prof. Andreas Freytag: "Südafrika bräuchte eigentlich neue Parteien"

"Südafrika bräuchte eigentlich neue Parteien"

Ein Gespräch mit dem Wirtschaftspolitologen Prof. Andreas Freytag, Universität Jena, am Tag der Parlamentswahl in Südafrika

Audio: Katrin Aue. Foto: dpa/AP. Onlinefassung: Rick Reitler   08.05.2019 | 12:45 Uhr

Für eine positive Zukunft sollte sich das schwer gebeutelte Südafrika "von seinen Befreiern befreien", meint der Wirtschaftspolitologe Prof. Andreas Freytag im SR-Interview: Die alte Befreiungsbewegung ANC, die als Favorit in die Parlamentswahl gehe, habe wohl kaum die Kraft für einen Neuanfang, der am Ende auch dem ANC selbst schaden könnte.

Trotz seiner reichen und fruchtbaren Böden, seiner Demokratie und seiner unabhängigen Justiz liegt Südafrika 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid am Boden: Die höchste Jugendarbeitslosigkeit der Welt, Kriminalität, Korruption, Energieversorgungsprobleme und Armut prägen den Alltag der meisten Menschen.

Bildung, Arbeit, Landreform

Was müsste bei der Parlamentswahl am 8. Mai geschehen, damit das Land den Weg in eine positive Zukunft findet? Der Wirtschaftspolitologe und Südafrika-Kenner Prof. Andreas Freytag von der Uni Jena fordert im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue, den Hebel vor allem bei der hohen Staatsverschuldung, bei der Korruptionsbekämpfung, bei den internationalen Wirtschaftsbeziehungen, bei der Landreform und bei der mangelhaften Bildungspolitik und der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit anzusetzen.

"Von seinen Befreiern befreien"

In gewisser Weise müsse sich das Land von seinen "Befreiern befreien": Das alte Personal der favorisierten Befreiungsbewegung ANC habe wohl kaum die Kraft, einen Neuanfang zu starten, der letztlich auch den ANC selbst treffen würde. Im Grunde brauche Südafrika "neue Parteien".

Das Archivfoto ganz oben zeigt Cyril Ramaphosa, den Präsidenten von Südafrika und Vorsitzenden der ehemaligen Befreiungsbewegung ANC, bei einer Rede im Januar 2019 (Foto: dpa/AP)

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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 08.052019 auf SR 2 KulturRadio.

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