May ohne Druckmittel - aber unter Zeitdruck

May ohne Druckmittel - aber unter Zeitdruck

Ein Gespräch mit London-Korrespondent Jens-Peter Marquardt am Tag nach dem EU-Sondergipfel in Brüssel

Audio: Uli Hauck / Jens-Peter Marquardt. Foto: dpa/AP/ Francisco Seco. Onlinefassung: Rick Reitler   11.04.2019 | 12:45 Uhr

London-Korrespondent Jens-Peter Marquardt sieht zurzeit kein Druckmittel, mit dem Theresa May das Parlament noch vor der EU-Wahl von ihrem EU-Deal überzeugen könnte. Die Lage sei nach wie vor so schwierig, dass er im SR-Interview die Option eines zweiten Referendums nicht mehr völlig ausschließen wollte.

Eine kleine Chronik des Brexit
Audio [SR 2, Jens-Peter Marquardt, 10.04.2019, Länge: 03:20 Min.]
Eine kleine Chronik des Brexit


Die EU und Großbritannien haben sich in der Nacht zum 11. April auf einen Brexit-Aufschub bis zum 31. Oktober 2019 geeinigt. Sollte es im britischen Unterhaus vorher doch noch eine Mehrheit für den seit Monaten beschlossenen - und nicht mehr verhandelbaren - Austrittsdeal geben, könnte der Brexit auch früher stattfinden. Was wegen der EU-Wahl absolut im Interesse von Premierministerin Theresa May läge, wie London-Korrespondent Jens-Peter Marquardt im Gespräch mit SR-Politikredakteur Uli Hauck bestätigte.

May will bis 22. Mai 'raus

Marquardt sieht allerdings zurzeit kein Druckmittel, mit dem May ihr zerstrittenes Parlament nach all den Monaten voller eigener Abstimmungsniederlagen bis zum 22. Mai, dem Tag vor Beginn der Wahl, doch noch vom "Deal" überzeugen könnte: "Noch müssen wir davon ausgehen, dass die Briten tatsächlich absurderweise noch einmal an die Wahlurnen gehen, um ihre Abgeordneten nach Brüssel und Straßburg zu entsenden", sagte Marquardt.

Lage verfahren

Die Situation in London sei nach wie vor so schwierig, dass er die Option eines erneuten Referendums nicht mehr völlig ausschließen wolle - damit im Einklang mit den EU-Freunden "die Bürger die Entscheidung von 2016 korrigieren können", so Marquardt.


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