Experte fürchtet deutlichen Bevölkerungrückgang im Saarland

Experte fürchtet deutlichen Bevölkerungsrückgang im Saarland

Ein Gespräch mit Reiner Klingholz, Direktor des "Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung"

Audio: Thomas Shihabi / Foto: SR Fernsehen / Onlinefassung: Sabrina Nonnengardt   05.04.2019 | 17:10 Uhr

Reiner Klingholz, Direktor des „Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung“, prognostiziert für Deutschland eine fast stagnierende Einwohnerzahl bis 2035. Allerdings sei zu erwarten, dass es große regionale Unterschiede gebe. Abgesehen von der Landeshauptstadt Saarbrücken müsse in allen saarländischen Kommunen mit einem deutlichen Bevölkerungsrückgang von 10 bis 15 Prozent gerechnet werden, so Klingholz.

Das Saarland kämpft schon seit Jahren mit demographischen Problemen: Die jungen Menschen ziehen in die Ballungszentren, in denen sie Arbeit finden, und die ländlichen Regionen werden immer älter und dünner besiedelt.

Zu wenige Arbeitsplätze im Saarland

Laut Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung wird dieser Trend anhalten und sich sogar verschärfen. Grund dafür sei unter anderem der Wegfall der Industriebereiche im Saarland gewesen. Die dadurch verlorenen Arbeitsplätze motivierten die junge Generation eher dazu, wegzuziehen und sich in Ballungszentren Arbeit zu suchen. Die zurückbleibende ältere Generation bekomme weniger Nachwuchs und auch dieser neige im Erwachsenenalter dann eher dazu, in größere Städte zu ziehen.

Durch diese Spirale verringere sich die Einwohnerzahl bis 2035 in saarländischen Kommunen um 10 bis 15 Prozent, so Klingholz. Die einzige Ausnahme von diesem Trend sei die Landeshauptstadt Saarbrücken, die mit den dort ansässigen Firmen noch über genügend Arbeitsplätze verfüge.

Um den Trend zu stoppen, empfiehl Klingholz dem Land, verstärkt in Infrastruktur und ansässige Firmen zu investieren, um Arbeitsplätze zu sichern und das Saarland für junge Menschen wieder attraktiver zu machen.


Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Abend" vom 05.04.2019 auf SR 2 KulturRadio.