"Zur NATO gibt es wohl keine Alternative"

"Zur NATO gibt es wohl keine Alternative"

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Joachim Krause vom Kieler Institut für Sicherheitspolitik über 70 Jahre NATO

Audio: Kai Schmieding. Foto: dpa/AP/Dorothee Thiesing. Onlinefassung: Rick Reitler   04.04.2019 | 07:25 Uhr

Auch wenn die politische Weltlage heute eine ganz andere sei als in den Jahrzehnten vor dem Zusammenbruch des "Eisernen Vorhangs", sei das militärische Bündnis NATO keineswegs verzichtbar, meint der Kieler Sicherheitsexperte Prof. Joachim Krause. Im SR-Interview kritisierte er vor allem den "SPD-Teil" der deutschen Bundesregierung.

Auch wenn die politische Weltlage heute eine ganz andere ist als in den Jahrzehnten vor dem Zusammenbruch des "Eisernen Vorhangs", ist das militärische Bündnis NATO noch immer keineswegs verzichtbar, meint Prof. Dr. Joachim Krause vom Kieler Institut für Sicherheitspolitik im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding: Deutschland sei militärisch gar nicht mehr alleine handlungsfähig.

Gebrochene Zusagen

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Das finanzielle Engagement der NATO-Mitgliedsstaaten für das gemeinsame Bündnis wird beim aktuellen Treffen der NATO-Außenminister wieder eine große Rolle spielen. Da Deutschland seit Jahren seine Verpflichtungen nicht erfülle, werde Außenminister Heiko Maas (SPD) mit einigem Gegenwind zu rechnen haben.

Dieser Ärger wäre nach Meinung von Krause vermeidbar gewesen, "wenn sich die deutsche Bundesregierung - oder, genauer, gesagt, der SPD-Teil der Bundesregierung - an das gehalten hätte, was wir zugesagt haben". Der innerhalb der NATO verabredete Einsatz von zwei Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts für Militärausgaben sei schließlich "nicht einfach nur so ein Zahlenexperiment", sondern den deutschen Verpflichtungen im Bündnis geschuldet. Deutschland habe sich sogar verpflichtet, eine komplette Division für die NATO-Aufgaben aufzustellen, erklärte Krause.

"Schlimmer als Trump"

"Das geht alles nur, wenn man entsprechende Mittel dafür aufwendet, und da kommt man sehr schnell auf zwei Prozent." Dass der SPD-Finanzminister das Geld nicht bereit stellen wolle, bedeute "eine genauso große Krise wie die dummen Aussagen, die Trump gelegentlich von sich gibt", kritisierte Krause. "Ich glaube, es ist sogar noch schlimmer, was die Bundesregierung hier macht".

Die "größte Herausforderung" der NATO sei aus seiner Sicht allerdings Russland - aber nicht mehr wegen des alten systemischen Konflikts zwischen Ost und West, sondern wegen des russischen Drucks "im Baltikum und im Schwarzmeerbereich". Andere aktuelle Herausforderungen sehe er beispielsweise in Afghanistan und im südlichen Mittelmeer.

Foto ganz oben: 21.03.2019, Berlin: US-Soldaten der 2st Armored Division aus Fort Bliss in Texas kommen am Flughafen Berlin-Tegel an. Mehr als 300 US-Soldaten sind bei dem Test einer neuen Strategie zur schnellen Truppenverlegung aus den USA nach Europa in Deutschland angekommen. Die Soldaten gehören zu einem 1500 Mann starken Kontingent, dass über Berlin nach Polen reist, um an Nato-Übungen teilzunehmen. [Foto: Dorothee Thiesing/AP/dpa]


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