Mays Angebot an Corbyn verärgert Hardliner

Mays Angebot an Corbyn verärgert Hardliner

Ein Bericht zur Lage von London-Korrespondent Jens-Peter Marquardt

Audio: Kai Schmieding, Jens Peter Marquardt. Foto: dpa / picture alliance / Jack Taylor. Onlinefassung: Rick Reitler   03.04.2019 | 07:15 Uhr

Die britische Premierministerin Theresa May hat offenbar eine neue Taktik zur Zerschlagung des gordischen Knotens im Unterhaus: Mit ihrem Gesprächsangebot an Oppositionsführer Corbyn verärgert sie nun die Brexit-Hardliner in ihren eigenen Reihen. Ein Lagebericht von London-Korrespondent Jens-Peter Marquardt.

Fragen an die Autorin: Kate Connolly
Exit Brexit. Wie ich Deutsche wurde


Wenige Tage vor dem Zwangs-No-Deal-Brexit am 12. April versucht die britische Premierministerin Theresa May offenbar eine Abkehr von der Taktik der Härte: Bei der EU bat sie um einen weiteren Aufschub; bei Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour-Party warb sie um Gesprächsbereitschaft für einen "gemeinsamen Plan".

Brexit-Hardliner unzufrieden

Corbyn soll davon zwar nur überraschend im Fernsehen gehört haben, zeigte sich aber trotzdem froh über das Angebot, wie Großbritannien-Korrespondent Jens-Peter Marquardt berichtet. "Sollten sich May und Corbyn auf einen gemeinsamen Austrittsplan einigen, wird dieser wohl eine enge Anlehnung Großbritanniens an die EU bedeuten", so Marquardts Einschätzung. Dieser Gedanke stoße aber schon jetzt auf den Widerstand konservativer Brexit-Hardliner.

Foto oben: 02.04.2019, Großbritannien, London: Theresa May, britische Premierministerin, gibt eine Pressekonferenz vor der Downing Street. May will eine erneute, möglichst kurze Verlängerung der EU-Austrittsfrist beantragen. Das kündigte May am Dienstag nach einer siebenstündigen Kabinettssitzung in London an. (Foto: dpa / Jack Taylor).


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 03.04.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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