Wann bewegt sich das britische Unterhaus?

Wann bewegt sich das britische Unterhaus?

Ein Gespräch mit London-Korrespondent Jens-Peter Marquardt

Audio: Jochen Erdmenger. Foto: dpa / picture alliance / AP / Frank Augstein   28.03.2019 | 07:45 Uhr

Bei den Probe-Abstimmungen im britischen Unterhaus hat keine der acht Optionen eine Mehrheit gefunden - weder eine Zollunion, noch ein No-Deal, noch ein neues Referendum. Nach Einschätzung von London-Korrespondent Jens-Peter Marquardt ist nun aber wenigstens etwas "Bewegung in das Parlament gekommen".


Das britische Unterhaus hat am 27. März einige - rechtlich nicht verbindliche - Probeabstimmungen durchgeführt, um herauszufinden, welche Alternativen zu Premierministerin Mays Austrittsabkommen mit der EU überhaupt eine Mehrheit gewinnen könnten. Allerdings fand keine der acht Ideen eine Mehrheit - weder eine Zollunion, noch ein No-Deal, noch ein neues Referendum.

May bietet Rücktritt an

Fragen an die Autorin: Kate Connolly
Exit Brexit. Wie ich Deutsche wurde

Theresa May will ihren EU-Deal weiter unbedingt durchsetzen - notfalls zum Preis des eigenen Rücktritts.

"Diese älteste Demokratie der Neuzeit, die zeigt, dass sie dieser Herausforderung nicht gewachsen ist, und sie nimmt jetzt wirklich großen Schaden", sagte London-Korrespondent Jens-Peter Marquardt im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Immerhin sei nun aber wenigstens etwas "Bewegung in das Parlament gekommen".

Foto oben: Großbritannien, London. Ein Brexit-Gegner stellt bei einer Kundgebung in der Nähe des britischen Parlamentsgebäudes ein Schild mit der Forderung nach sofortigen Neuwahlen auf, der Schriftzug lautet "General Election Now".


Mehr zum Thema im Archiv:

tagesschau.de
In Uneinigkeit vereint
Die Abstimmung über Alternativen zum Brexit-Deal im Unterhaus hat am 27. März keine Klarheit gebracht. Die Abgeordneten lehnten alle Anträge ab. Ihre Reaktionen reichen von Enttäuschung über Lachen bis zu Zweckoptimismus.

Schicksalswoche in London?
"Es bleiben die Fronten verhärtet"
Nach Einschätzung von London-Korrespondent Thomas Spickhofen gibt es derzeit keine Chance für Premierministerin May, ihren "EU-Deal" durchzuboxen: Die Fronten seien nach wie vor verhärtet, Mays Schicksal weiter ungewiss, sagte Spickhofen im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner.

Neue Runde im Ringen um den Brexit
"Man setzt ein bisschen auf den Druck der letzten Minute"
Nach der zweistufigen Fristverlängerung für den Brexit durch die EU stehen die britischen Parlamentarierer unter Zugzwang: Angesichts der Alternative "Hard Brexit" wird es für sie immer schwieriger, den ungeliebten Deal abzulehnen. Sowohl Theresa May als auch die EU setzten damit "auf den Druck der letzten Minute", bestätigte Brüssel-Korrespondent Andreas Meyer-Feist im SR-Interview.

Bertelsmann-Studie
"Der Brexit wird sehr, sehr teuer"
Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung würde ein harter Brexit für Deutschland etwa doppelt so teuer wie ein weicher Brexit mit einem Handelsabkommen. Nach Einschätzung von Studien-Mitautor Dominic Ponattu könnte jeder Deutsche im Durchschnitt bis zu 115 Euro im Monat verlieren.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 28.03.2019 auf SR 2 KulturRadio.