Brexit: "Man setzt ein bisschen auf den Druck der letzten Minute"

"Man setzt ein bisschen auf den Druck der letzten Minute"

Ein Gespräch mit Brüssel-Korrespondent Andreas Meyer-Feist

Audio: Katrin Aue. Foto: dpa/PA Wire/Stefan Rousseau. Onlinefassung: Rick Reitler   22.03.2019 | 11:05 Uhr

Nach der zweistufigen Fristverlängerung für den Brexit durch die EU stehen die britischen Parlamentarierer unter Zugzwang: Angesichts der Alternative "Hard Brexit" wird es für sie immer schwieriger, den ungeliebten Deal abzulehnen. Sowohl Theresa May als auch die EU setzten damit "auf den Druck der letzten Minute", bestätigte Brüssel-Korrespondent Andreas Meyer-Feist im SR-Interview.

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Nach dem Brüsseler EU-Gipfel vom 21. März ist der Brexit zum Stichtag 29. März vom Tisch. Stattdessen haben sich für Großbritannien zwei neue Ausstiegsszenarien ergeben:

Galgenfrist 12. April

Falls das Unterhaus das ungeliebte Austrittsabkommen mit der EU bis zum 12. April immer noch nicht akzeptieren sollte, greife sofort der ungeregelte Brexit, erklärte Brüssel-Korrespondent Andreas Meyer-Feist im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue.

Sollte der Deal aber bis dahin angenommen werden, hätten die Briten immerhin noch bis zum 22. Mai Zeit, dem Tag vor Beginn der Europa-Wahl, um einen weichen Austritt zu regeln.

"Spätestens in der nächsten Woche, in den nächsten Tagen MUSS eine Entscheidung in Westminster her, und zwar eine Entscheidung für den Deal", fasste Meyer-Feist den Stand der Dinge am Morgen nach dem EU-Gipfel zusammen.

Unterhaus unter Druck

Die britischen Parlamentarierer seien damit wieder gehörig unter Zugzwang geraten - und es werde angesichts der Alternative "Hard Brexit" für sie immer schwieriger, Theresa Mays Deal mit der EU abzulehnen: Sowohl May als auch die EU setzten damit "auf den Druck der letzten Minute", bestätigte Meyer-Feist.

Die Meinung zum Thema:

Kommentar: Brüssel hat geliefert, Briten sind am Zug
Audio [SR 2, Ralph Sina, 22.03.2019, Länge: 03:12 Min.]
Kommentar: Brüssel hat geliefert, Briten sind am Zug
Der Brexit wird auf Beschluss des Eu-Gipfels vom 21. März bis mindestens 12. April verschoben. Damit die Briten noch ein bisschen mehr Zeit bekommen, um den ja längst ausgehandelten Brexit-Deal mit der EU doch noch anzunehmen - oder einfach ohne Vertrag auszutreten. Die EU hat damit noch einmal geliefert, jetzt kommt's einzig und allein auf die Briten an, meint Brüssel-Korrespondent Ralph Sina in seinem Kommentar. Um das allerschlimmste Szenario zu verhindern - nämlich einen ungeregelten Brexit am 12. April -empfiehlt Sina Premierministerin Theresa May, ihren Parlamentariern das Yes zum Deal schmackhafter zu machen - zum Beispiel mit einem Rücktrittsangebot.


Hintergrund:

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 22.03.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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