Brexit: Deal-Gegner immer stärker unter Druck

Brexit: Deal-Gegner immer stärker unter Druck

Ein Gespräch mit London-Korrespondent Thomas Spickhofen

Audio: Jochen Marmit / Thomas Spickhofen. Foto: dpa / picture alliance / AP / Matt Dunham   15.03.2019 | 07:45 Uhr

Das britische Unterhaus hat mehrheitlich dafür gestimmt, die EU um mehr Zeit zu bitten - über das gültige Datum 29. März hinaus. Doch um in Brüssel eine Fristverlängerung zu erwirken, verlangt Premierministerin Theresa May das Ja des Unterhauses zum bereits zwei Mal abgelehnten Austrittsdeal. Die Deal-Gegner geraten damit immer stärker unter Druck.

Das britische Unterhaus hat sich am Abend des 14. März gegen ein zweites Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der EU ausgesprochen. Stattdessen stimmten die Abgeordneten mehrheitlich dafür, die EU um mehr Zeit zu bitten - über das gültige Datum 29. März hinaus.

Mays Schachzug

Doch um mit dieser Bitte um Fristverlängerung bei der EU vorstellig zu werden, verlangt Premiereministerin Theresa May vom Unterhaus, dem bereits zwei Mal abgelehnten EU-Austrittsdeal doch noch zuzustimmen, wie Korrespondent Thomas Spickhofen im Gespräch mit SR-Moderator Thomas Spickhofen erklärt. Ohne eine Zustimmung des Unterhauses zum Deal brauche sie gar nicht erst an die Türen Brüssels zu klopfen.

Angst vor jahrelanger Hängepartie

May habe mit diesem Schachzug den Druck auf die Deal-Gegner klar erhöht. Denn wenn diese Mays EU-Deal weiter strikt ablehnen würden, gebe es womöglich "eine monatelange, vielleicht sogar jahrelange Verlängerung, wie sie aus Brüssel ja auch schon ins Gespräch gebracht wurde." Letztlich stehe damit sogar der "Brexit als Ganzes" auf dem Spiel, meint Spickhofen.


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Foto ganz oben: 14.03.2019, Großbritannien, London: Demonstranten protestieren vor dem Parlament für den Brexit, den Austritt Großbritanniens aus der EU.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 15.03.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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