Wenn Reiselust vor Nachhaltigkeit geht

Wenn Reiselust vor Nachhaltigkeit geht

Ein Gespräch mit dem Trierer Tourismus-Experten Prof. Dr. Andreas Kagermeier über Probleme der Reisebranche

Audio: Steffen Kolodziej / Fotos: SR Fernsehen, privat / Onlinefassung: Rick Reitler   06.03.2019 | 16:40 Uhr

Zum Start der Internationalen Tourismusbörse in Berlin berichtet der Trierer Reiseexperte Prof. Andreas Kagermeier im SR-Interview u. a. von Eintrittsgeldern für Hafenstädte, von der Rolle der Airbnb-Angebote und von Lippenbekenntnissen der Urlauber in Sachen Nachhaltigkeit. Das Saarland als Reiseland sieht er auch wegen der großen Konkurrenz ähnlicher Regionen nur "in der Zweiten Liga".

Prof. Andreas Kagermeier (Foto: Privat)
Prof. Andreas Kagermeier (Foto: privat)

2018 haben die Deutschen insgesamt 68 Milliarden Euro für Urlaubsreisen ausgegeben - fünf Prozent mehr als noch im Jahr davor. Doch die wachsende Reiselust bringt auch wachsende Probleme mit sich. Die werden auch auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) diskutiert. Ein Gebiet, mit dem sich der Trierer Tourismusforscher Prof. Andreas Kagermeier sehr gut auskennt.

Von Kreuzfahrten, AirBnB und Hedonismus

Im Gespräch mit SR-Moderator Steffen Kolodziej erzählt Kagermeier u. a. von Eintrittsgeldern für Hafenstädte, von der Rolle der Airbnb-Angebote und von Lippenbekenntnissen der Urlauber in Sachen Nachhaltigkeit.

"So leid es mir tut: Meine empirischen Befunde deuten darauf hin, dass zwar nach außen hin, verbal, sicherlich artikuliert wird, Nachhaltigkeit wär' ein Thema", sagte Kagermeier im Gespräch mit SR-Moderator Steffen Kolodziej, "wenn's aber ganz konkret darum geht, sein eigenes Urlaubsverhalten auch zu verändern, haben wir hier 'ne relativ starke Persistenz". Hedonismus, also der Wunsch nach persönlichem Lustgewinn, sei offenbar immer noch entscheidend: "Die Leute sagen, 'ich hab mir meinen Urlaub verdient; ich bin zwar verbal auf der Seite der Umweltschützer, aber faktisch und beim Verhalten nicht'."

Saarland in der "Zweiten Liga"

Das Saarland als Reiseland sieht Kagermeier übrigens auf einem respektablen Weg - unter Berücksichtigung der "Zweiten Liga", in der das kleine Bundesland im internationalen Tourismus nunmal spiele. Immerhin sei die Konkurrenz ziemlich hoch: Viele andere Regionen in Deutschland oder auch Zentraleuropa böten ja ebenfalls genau das an, womit auch das Saarland als Urlaubsland punkten wolle: Landschaft, Wanderwege, Fahrradtourismus. Kargermeiers Tipp für die saarländische Tourismuspolitik: Noch mehr auf die kulinarische Leistungsfähigkeit des Saarlandes setzen und dabei die Nähe zu Frankreich nicht außer Acht lassen.


Wanderer an einem See im Wald (Foto: SR)
Auch das Saarland hat als Urlaubsland Einiges zu bieten - wenn auch nur in der "Zweiten Liga" der Reiseziele (Foto: SR Fernsehen)


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Ein Thema aus der Sendung "Der Nachmittag" am 06.03.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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