Sicherheitskonferenz: "Sehr viel Unsicherheit im Moment"

"Sehr viel Unsicherheit im Moment"

Ein Interview mit dem ARD-Korrespondenten Rolf Büllmann über die 55. Münchener Sicherheitskonferenz

Audio: Katrin Aue, Foto: dpa/Angelika Warmuth, Onlinefassung: Rick Reitler   18.02.2019 | 07:15 Uhr

ARD-Korrespondent Ralf Büllmann hat die Münchener Sicherheitskonferenz mit Sorge beobachtet: "Die Aufkündigung des INF-Vertrages durch Russland und die USA setzt natürlich Europa enorm unter Druck", sagte Büllmann im SR-Interview. Überraschend engagiert und klar sei dagegen der Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel gewesen.

Am Wochenende war die bayerische Landeshauptstadt München nicht nur zum 55. Mal Schauplatz der jährlichen "Sicherheitskonferenz", sondern auch Anziehungspunkt tausender Demonstranten, die gegen mächtige internationale Seilschaften aus Politik, Militär und Wirtschaft protestierten.

Europa unter Druck

Auch Korrespondent Ralf Büllmann hat die Tagung mit Sorge verfolgt: "Die Aufkündigung des INF-Vertrages durch Russland und die USA setzt natürlich Europa enorm unter Druck", sagte Büllmann im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue, "es herrscht sehr viel Unsicherheit im Moment".

Merkel kontra USA

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Das Wort Multilateralismus war bei der Münchner Sicherheitskonferenz in aller Munde. Doch für gemeinsame Lösungen der internationalen Krisen mangelt es an Vertrauen und Bereitschaft zu Zugeständnissen.

Überraschend deutlich sei dagegen der Kanzlerin Angela Merkel geworden: "Man erlebt Angela Merkel oft ja sehr zurückhaltend und ein bisschen technokratisch fast - diesmal war sie sehr engagiert, leidenschaftlich; hat klar dargelegt, wie ihre Politik ist und warum ihre Politik so ist, wie sie ist. Und hat sich eben auch klar gegen einige der Forderungen der USA positioniert und auch im Namen Europas klargestellt: 'Wir haben eigene Interessen, die wir zu vertreten haben, auch wenn der amerikanische Partner gerade viel Druck auf uns macht'. Das hat vielen im Raum sehr gut gefallen."

Hintergrund

Auf der 55. Münchner Sicherheitskonferenz hatten sich vom 15. bis zum 17. Februar 2019 dutzende Außen- und Verteidigungsminister, Staats- und Regierungschefs, Wirtschaftsvertreter und weitere Gäste getroffen, um u. a. über aktuelle Konflikte, Kriege und Krisenherde zu sprechen. Das traditionsreiche Treffen findet jedes Jahr im Februar in der bayerischen Landeshauptstadt statt. Tausende Polizeibeamte sorgen für die Sicherheit der Konferenzteilnehmer.


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Audio [SR 2, Katrin Aue / Nina Barth, 18.02.2019, Länge: 04:00 Min.]
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Die Münchner Sicherheitskonferenz hat sich seit ihren Anfängen in den 1960er Jahren immer auch zur Aufgabe gemacht, kriegerische Auseinandersetzungen durch Dialog zu verhindern. Angesichts der wieder tieferen Gräben zwischen den USA, der EU, Russland und China scheint der Gedanke der Diplomatie so aktuell wie lange nicht mehr. Das "internationale System, die internationale Ordung" sei längst wieder "unter schweren Beschuss" geraten, mahnte auch Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Sicherheitskonferenz.


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Audio [SR 2, Yvonne Schleinhege / Nina Barth, 15.02.2019, Länge: 05:20 Min.]
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Vor dem Beginn der 55. Münchner Sicherheitskonferenz hat der Vorsitzende der Konferenz, Wolfgang Ischinger, den Sicherheitsreport vorgestellt. Daraus geht hervor, dass es weltweit derzeit zehn große Krisen gibt. Dazu gehört neben den Brandherden Syrien, Jemen und Afghanistan auch der Handelsstreit mit den USA. Für Hauptstadt-Korrespondentin Nina Barth wird es im Bayerischen Hof aber vor allem darum gehen, dass Europa um eine engere verteidungspolitische Zusammenarbeit nicht herumkommen wird. Mit Verträgen sei allerdings vorerst nicht zu rechnen, so Barth im Gespräch mit SR-Moderatorin Yvonne Schleinhege.


Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 18.02.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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