"4000 Generäle haben Venezuela fest in der Hand"

"4000 Generäle haben Venezuela fest in der Hand"

Ein Gespräch mit dem Dokumentarfilmer Tuki Jencquel über die aktuelle Lage in Venezuela

Audio: Jochen Erdmenger, Foto: Anne-Kathrin Mellmann, Onlinefassung: Rick Reitler   31.01.2019 | 08:45 Uhr

Der venezuelanische Dokumentarfilmer Tuki Jencquel zeichnet hat im SR-Interview ein düsteres Bild seiner Heimat gezeichnet: Um endlich wieder freie Wahlen in dem schwer gebeutelten Land durchführen zu können, sei die Opposition auf internationale Unterstützung angewiesen. "Es ist natürlich traurig, dass das jetzt wieder die USA sein müssen", so Jencquel.

Der venezuelanische Dokumentarfilmer Tuki Jencquel war Mitte Januar zu Gast beim Saarbrücker Filmfestival Max Ophüls Preis, um seinen Film "Está todo bien - Alles ist gut" vorzustellen. Darin schildert er den Kollaps des öffentlichen Gesundheitssystems in Folge des ökonomischen Zusammenbruchs seines Heimatlandes unter dem sozialistischen Staatschef Nicolas Maduro. Der steht nach Auffassung von Jencquel an der Spitze einer "Militärdikatatur": "4000 Generäle haben das Land fest in der Hand", sagte er im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger.

Freie Wahlen gegen die Massenflucht

Drei Millionen Venezuelaner seien in den vergangenen Jahren bereits ins Ausland geflohen, zwei Millionen wollten 2019 auswandern. Um wieder längst fällige freie Wahlen durchführen zu können, sei die Opposition mit ihrem Anführer Juan Guaidó allerdings unbedingt auf internationale Unterstützung aus dem Ausland angewiesen. "Es ist natürlich traurig, dass das jetzt wieder die USA sein müssen", so Jencquel.


Der SR 2-DokumentarfilmTipp:

Está todo bien - Alles ist gut
Regie: Tuki Jencquel
Venezuela, Deutschland 2018, 70 Min.
spanisch mit deutschen Untertiteln
Deutsche Uraufführung: Januar 2019, Saarbrücken

Deutschlandstart: 20. Juni 2019


Hintergrund

Die politische und somit auch gesellschaftliche Situation in Venezuela ist seit Jahren instabil. Der sozialistische Staatschef Nicolas Maduro regiert das wirtschaftlich schwer gebeutelte Land seit 2016 mit eiserner Hand. Neuer Hoffnungsträger für wachsende Bevölkerungsschichten ist der selbsternannte oppositionelle Übergangspräsident Juan Guaidó.

Angespannte Lage in Venezuela
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger / Anne-Kathrin Mellmann, 31.01.2019, Länge: 03:10 Min.]
Angespannte Lage in Venezuela
In Venezuela geht der Machtkampf zwischen Staatschef Nicolas Maduro und dem selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó weiter. Am 30. Januar demonstrierten tausende Venezolander für Guaidó und forderten den Rücktritt von Maduro. Bei einer Kundgebung in Caracas appellierte Guaidó an das Militär, sich der Opposition anzuschließen. Ein Lagebericht von Südamerika-Korrespondentin Anne-Katrin Mellmann.


Die zweite Meinung:

Kommentar: "Venezuelas Parlament verdient volle Unterstützung"
Audio [SR 2, Anne-Kathrin Mellmann, 31.01.2019, Länge: 03:25 Min.]
Kommentar: "Venezuelas Parlament verdient volle Unterstützung"
Seit einer Woche tobt in Venezuela ein Machtkampf zwischen dem sozialistischen Staatschef Nicolas Maduro und dem selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó. Auf der Seite Guaidós stehen nicht nur immer mehr krisengeplagte Bürger, sondern auch US-Präsident Donald Trump. Ein durchaus gefährliches Spiel für Guaidó, meint Korrespondentin Anne-Kathrin Mellmann, weil der harte amerikanische Kurs gegen Maduro "Wasser auf die Mühlen der Propaganda" bedeute. Wenn Guaidó am Ende den Sieg davontragen wolle, tue er gut daran, sich auch mit dem venezuelanischen Militär, Russland und China zu verbünden. Ein Kommentar.

Ein Thema der Sendung "Der Morgen" vom 31.01.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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