Hoffnungsträger Großregion

Der EU-Blick auf die Großregion

Ein Gespräch mit Brüssel-Korrespondent Andreas Meyer-Feist über die Chancen und Schwierigkeiten des Großregion-Vorsitzes des Saarlandes

Audio: Jochen Erdmenger, Grafik: dpa/SR, Onlinefassung: Rick Reitler   31.01.2019 | 07:50 Uhr

Das Saarland hat für zwei Jahre den Vorsitz in der Großregion übernommen – eine Chance, das Bewusstsein der Saarländer für den Zusammenhalt zu stärken, meint Ministerpräsident Tobias Hans. Brüssel-Korrespondent Andreas Meyer-Feist sieht Hürden beispielsweise bei der grenzüberschreitenden Mobilität und angesichts der vielen Unterschiede in der Teilregionen.

Die Großregion rund um das Saarland besteht aus fünf Regionen, vier Ländern, drei Sprachen und liegt im Herzen Europas. Rund 220.000 Menschen arbeiten hier über ihre Landesgrenzen hinaus. 2,5 Prozent der EU-Wirtschaftkraft werden hier von rund elf Millionen Menschen erzeugt. Das Saarland hat nun für zwei Jahre den Vorsitz übernommen.

Europaweit einzigartige Mobilität

"Es hakt natürlich an dem Erfolg dieser ganzen Großregion", gab Brüssel-Korrespondent Andreas Meyer-Feist im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger zu bedenken. Zwar gebe es "nirgends in vergleichbaren Grenzregionen in Europa eine solche grenzüberschreitende Mobilität", in Sachen Steuern, Arbeitsrecht oder Urlaub allerdings existierten überall andere nationale, für die Betroffenen Pendler häufig "sehr komplizierte" Regelungen. Aus diesem Grund habe die EU-Kommission auch 30 EU-finanzierte Berater eingesetzt, die sich um die Belange der grenzüberschreitenden Arbeitnehmer und Unternehmen kümmern sollen, so Meyer-Feist.

Wirtschaftliche Unterschiede

Die Unterschiede in den Teilregionen seien allerdings noch lange nicht überwunden. So gebe es beispielsweise in Luxemburg "die gut bezahlten Jobs", die vor allem Pendler aus Frankreich anlockten. Die Herausforderung sei nun, zu erreichen, dass es auch anderswo in der Großregeion "ein bisschen mehr vorangeht", stellte Meyer-Feist fest.

Kulturelle Unterschiede

Auch kulturell seien immer noch Unterschiede auszumachen: "Man merkt eben, dass jeder noch seine eigenen Süppchen kocht", sagte Meyer-Feist. So setze das Saarland eher auf seine Industriekultur, Luxemburg sei "sehr auf Migration fixiert", Rheinland-Pfalz betone seine "großeuropäischen Persönlichkeiten", Lothringen beschäftige sich besonders gerne mit "der Kultur der Erinnerungen" und die Wallonie in Belgien konzentriere sich auf die moderne Kunst. "Da muss man natürlich noch ein bisschen mehr tun, um das Ganze zu verbinden", so Meyer-Feist.


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Ein Thema der Sendung "Der Morgen" vom 31.01.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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