Theresa Mays Auftrag - eine "Mission impossible"

"Ich glaube nicht, dass Brüssel einknickt"

Ein Interview mit Großbritannien-Korrespondent Jens-Peter Marquardt

Audio: Jochen Erdmenger, Foto: dpa, Onlinefassung: Rick Reitler   30.01.2019 | 08:45 Uhr

Der Londoner Korrespondent Jens-Peter Marquard sieht zurzeit keine Lösung für die Brexit-Zwickmühle - schon gar nicht bis zum nächsten Berichterstattungstermin von Premierministerin Theresa May Mitte Februar. Brüssel werde den Briten keinesfalls entgegenkommen, und auch eine Terminverschiebung sei zurzeit "nicht in Sicht".

Das britische Unterhaus beharrt auf einem neuen Brexit-Deal zwischen Großbritannien und den übrigen 27 EU-Staaten. Am Abend des 29. Januar stimmten die Abgeordneten im House of Commons für entsprechende Nachverhandlungen zum bereits ausgehandelten Austrittsvertrag. Darin soll vor allem die bisherige "Backstop"-Lösung für Nordirland gestrichen werden. Bislang lehnen die "EU27" jegliche Nachverhandlungen aber strikt ab.

Theresa May auf "Mission impossible"

Und das wird wohl auch so bleiben: "Ich glaube nicht, dass Brüssel einknickt", meint der Londoner Korrespondent Jens-Peter Marquard im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Er sieht zurzeit keine Lösung für die Zwickmühle Großbritanniens - schon gar nicht bis zum nächsten Berichterstattungstermin von Theresa May am 13. Februar. Die Premierministerin müsse sich bis dahin also mit einem "unmöglichen Auftrag" herumplagen. 14 Tage, die wohl bei der Vorbereitung eines geordneten Brexits fehlen werden.

Die Zeit drängt

"Der harte Brexit rückt näher, denn es gibt kein anderes Austrittsabkommen", betonte Marquardt, da können die Abgeordneten noch so lange beschließen, dass sie keinen No-Deal-Brexit wollen". Im Augenblick sei zudem "nicht in Sicht, dass es zu einer Verschiebung des Austrittstermins auf irgendeine Art und Weise kommen könnte."


Der andere Blickwinkel:

Auf der Suche nach der Brexit-Lösung
Woher rührt die EU-Skepsis der Briten?
Der Politikwissenschaftler Prof. Roland Sturm sieht vorerst keinen Ausweg aus der festgefahrenen Brexit-Situation. Hintergrund der für viele andere Europäer unverständlichen EU-Skepsis der Briten sei deren historisch gewachsenes Selbstverständnis als Weltkriegsgewinner und Beherrscher eines englischsprachigen Weltreiches, so Sturm im SR-Interview.


Das House of Commons am 29. Januar 2019

Keine Brexit-Lösung in Sicht
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger / Christoph Heinzle, 30.01.2019, Länge: 03:49 Min.]
Keine Brexit-Lösung in Sicht
Das britische Parlament hat sich am Abend des 29. Januar dafür entschieden, die Nordirland-Frage im bereits beschlossenen "Brexit-Deal" mit der EU noch einmal nachzuverhandeln. Die EU schließt solche Nachverhandlungen aber kategorisch aus. Großbritannien-Korrespondent Christoph Heinzle hat die turbulente Sitzung im House of Commons miterlebt.

29.01.2019, Großbritannien, London: Dieses von britischen Parlament zur Verfügung gestellte Foto zeigt Theresa May (M), Premierministerin von Großbritannien, während der Debatte über den umstrittenen Brexit. Das britische Parlament unternimmt heute einen weiteren Versuch, den Kurs beim EU-Austritt abzustecken. Foto: Jessica Taylor/UK Parliament/AP/dpa


Mehr zum Thema im Archiv:

Auf der Suche nach der Brexit-Lösung
"Die nächste, nicht die letzte Runde im Brexit-Drama"
Auch die nächste Brexit-Debattenrunde am 29. Januar im britischen Unterhaus wird wegen der vielen offenen Fragen keine endgültige Lösung bringen, meint Korrespondent Thomas Spickhofen im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Ein zweites Referendum hält er allerdings für "von vorneherein aussichtslos".

Verhärtete Fronten im Londoner Regierungsviertel
Audio [SR 2, Christoph Heinzle, 29.01.2019, Länge: 03:48 Min.]
Verhärtete Fronten im Londoner Regierungsviertel
Die ungelösten Brexit-Fragen zerren europaweit beständig an den Nerven. Ganz besonders natürlich in Großbritannien selbst. Im Londoner Regierungsviertel Westminster treffen immer wieder Brexiteers und EU-Remainer aufeinander. Korrespondent Christoph Heinzle hat sich unter den Demonstrantinnen und Demonstranten umgehört.

Historiker Prof. Anthony Glees
"Theresa May ist fertig, aus, Ende der Geschichte"
Für den Historiker Prof. Anthony Glees war das sehr deutliche Nein zu Theresa Mays Brexit-Deal kein Wunder, denn Mays Kompromisspapier habe letztlich "keinen gefreut". Er gehe davon aus, dass May bald freiwillig zurücktreten werde, auch wenn sie das Misstrauensvotum am Abend des 16. Januar wohl noch überstehen werde.

Politik & Wirtschaft
Warnung vor "chaotischem" Brexit
Nach dem gescheiterten Brexit-Deal steigt die Gefahr eines ungeregelten Ausstiegs der Briten aus der EU. Die CDU-Bundesvorsitzende Kramp-Karrenbauer drängte darauf, jetzt nichts zu überstürzen. Auch andere Politiker warnen vor einem chaotischen Austritt.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 30.01.2019 auf SR 2 KulturRadio.

Artikel mit anderen teilen