"Die nächste, nicht die letzte Runde im Brexit-Drama"

"Die nächste, nicht die letzte Runde im Brexit-Drama"

Ein Interview mit Großbritannien-Korrespondent Thomas Spickhofen

Audio: Jochen Erdmenger, Foto: Pixabay/SR, Onlinefassung: Rick Reitler   29.01.2019 | 07:15 Uhr

Auch die nächste Brexit-Debattenrunde am 29. Januar im britischen Unterhaus wird wegen der vielen offenen Fragen keine endgültige Lösung bringen, meint Korrespondent Thomas Spickhofen im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Ein zweites Referendum hält er allerdings für "von vorneherein aussichtslos".

Nach dem klaren Nein zu Theresa Mays Brexit-Deal Mitte Januar wurden diverse Änderungsanträge im britischen Unterhaus eingereicht. Größter Stolperstein bleibt offenbar die Grenzregelung zwischen Irland und Nordirland, der sogenannte "Backstop". Die Tories erhoffen von May, in dieser Frage doch noch Zugeständnisse aus Brüssel zu erreichen. Labour-Vertreter setzen eher auf eine Verlängerung der Austrittsfrist bis zum 31. Dezember.

Spiel auf Zeit?

Doch beides scheint am Morgen der nächsten Debattenrunde im "House of Commons" am 29. Januar angesichts der verfahrenen Gesamtsituation nicht sehr wahrscheinlich, meint Korrespondent Thomas Spickhofen im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Der Labour-Antrag auf einige Monate mehr Zeit habe zwar eine gewisse Chance auf eine Mehrheit, aber "zum Buchmacher würd' ich damit nicht gehen", so Spickhofen.

Zweites Referendum "aussichtslos"

Für "von vorneherein aussichtslos" hält er die immer wieder ins Spiel gebrachten Forderungen nach einer zweiten Volksbefragung. Somit werde sich die ganze Sache sicher noch eine Weile hinziehen: "Was den heutigen Tag angeht, kann man keine ganz großen Entscheidungen erwarten. Heute ist das eher so'n Zwischenakt, nicht das große Finale. Es ist eher die nächste und nicht die letzte Runde im Brexit-Drama", sagte Spickhofen.


... und die Briten?

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