Brexit: Kommt die zweite Volksabstimmung nun doch?

Kommt die zweite Volksabstimmung nun doch?

Ein Interview mit Großbritannien-Korrespondent Jens-Peter Marquardt

Audio: Kai Schmieding, Foto: dpa/AP/ Frank Augstein, Onlinefassung: Rick Reitler   17.01.2019 | 08:45 Uhr

Großbritannien-Korrespondent Jens-Peter Marquardt glaubt nicht daran, dass die britische Premierministerin Theresa May bis zum 29. März noch einen Pro-Brexit-Konsens zustande bringen wird. Für wahrscheinlicher hält er eine Terminverschiebung und sogar ein zweites Brexit-Referendum.

Keine 24 Stunden nach dem Scheitern des Brexit-Abkommens hat die britische Premierministerin Theresa May ein Misstrauensvotum gegen ihre Regierung wie erwartet überstanden.

Nun ist sie auf der Suche nach "Plan B" für einen geordneten Brexit. Ob die stets "hartnäckige" May bis zum Austrittstermin 29. März noch einen mehrheitsfähigen Konsens zwischen den eigenen konservativen Partei-Anhängern, Labour-Opposition und EU27 erzielen kann, erscheint Großbritannien-Korrespondent Jens-Peter Marquardt äußerst fraglich. Er hält eine Terminverschiebung und sogar ein zweites Brexit-Referendum für wahrscheinlicher.

Bewegung für ein zweites Referendum

"Meine eigene Meinung: Ich glaube, dass der Brexit-Termin erst einmal verschoben wird, um Zeit zu gewinnen für andere Lösungen", sagte Marquardt im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. "Und ich sehe hier im Augenblick auch eine Bewegung hin zu einem zweiten Referendum". Immerhin hätten in der Zeitung Times 170 Unternehmensführer in diesem Sinn den Druck erhöht, und auch 100 Labour-Abgeordnete im Parlament hätten ihren eigenen Parteichef Jeremy Corbyn aufgefordert, "sich an die Spitze dieser Bewegung zu setzen". Auch die schottischen Abgeordneten und die Liberalisten im Parlament seien dafür.


Der Tag davor

Historiker Prof. Anthony Glees
"Theresa May ist fertig, aus, Ende der Geschichte"
Für den Historiker Prof. Anthony Glees war das sehr deutliche Nein zu Theresa Mays Brexit-Deal kein Wunder, denn Mays Kompromisspapier habe letztlich "keinen gefreut". Er gehe davon aus, dass May bald freiwillig zurücktreten werde, auch wenn sie das Misstrauensvotum am Abend des 16. Januar wohl noch überstehen werde.

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"Es bleibt spannend"
Der Berliner Politologe Marius Guderjan geht davon aus, dass das Misstrauensvotum im britischen Parlament am Abend des 16. Januar zu Gunsten von Theresa May ausgehen wird. Als wahrscheinlichstes Szenario sei dann mit einer Fristverlängerung für den Austritt aus der EU zu rechnen, so Guderjan im SR-Interview.

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Warnung vor "chaotischem" Brexit
Nach dem gescheiterten Brexit-Deal steigt die Gefahr eines ungeregelten Ausstiegs der Briten aus der EU. Die CDU-Bundesvorsitzende Kramp-Karrenbauer drängte darauf, jetzt nichts zu überstürzen. Auch andere Politiker warnen vor einem chaotischen Austritt.


Hintergrund

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May sucht ihren Plan B
Das Misstrauensvotum hat die britische Premierministerin May am Abend des 16. Januar überstanden. Doch ein Plan B für den angestrebten Brexit fehlt ihr weiter. Am späten Abend traf sie sich mit Chefs von Oppositionsparteien.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 17.01.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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