Politologe Marius Guderjan: "Es bleibt spannend"

"Es bleibt spannend"

Ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Marius Guderjan, Centre for British Studies, Humboldt Universität, Berlin

Audio: Kai Schmieding, Foto: dpa/Jonathan Brady   16.01.2019 | 07:55 Uhr

Der Berliner Politologe Marius Guderjan geht davon aus, dass das Misstrauensvotum im britischen Parlament am Abend des 16. Januar zu Gunsten von Theresa May ausgehen wird. Als wahrscheinlichstes Szenario sei dann mit einer Fristverlängerung für den Austritt aus der EU zu rechnen, so Guderjan im SR-Interview.

Nach dem "No" zum Brexit-Deal, den Premierministerin Theresa May schon vor Wochen mit der EU ausgehandelt hatte, muss sich May am Abend des 16. Januar einem Misstrauensvotum stellen. Die oppositionelle Labour-Partei war damit dem Wunsch Mays nachgekommen.

Kein EU-Sonderstatus denkbar

Der Berliner Politologe Marius Guderjan geht davon aus, dass die Abgeordneten ihrer Regierungschefin trotz ihrer klaren Brexit-Deal-Niederlage das Vertrauen aussprechen werden und am Ende die Frist zum Austritt aus der Europäischen doch noch verlängert wird. Sicher aber sei das keineswegs - ebensowenig wie die Frage nach einem möglichen zweiten Referendum. Ein künftiger EU-Sonderstatus nach dem Vorbild Norwegens sei aber so gut wie undenkbar, so Guderjan im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding.


Die andere Meinung:

Der Politologe und Historiker Prof. Anthony Glees, University of Buckingham
"Theresa May ist fertig, aus, Ende der Geschichte"
Für den Historiker Prof. Anthony Glees war das sehr deutliche Nein zu Theresa Mays Brexit-Deal kein Wunder, denn Mays Kompromisspapier habe letztlich "keinen gefreut". Er gehe davon aus, dass May bald freiwillig zurücktreten werde, auch wenn sie das Misstrauensvotum am Abend des 16. Januar wohl noch überstehen werde.


Mehr zum Thema:

Historische Niederlage für Theresa May
Audio [SR 2, Kai Schmieding / Andreas Meyer-Feist, 16.01.2019, Länge: 03:52 Min.]
Historische Niederlage für Theresa May
Das britische Unterhaus hat das Brexit-Vertragswerk von Premierministerin Theresa May mit einer überraschend klaren Zweidrittel-Mehrheit abgelehnt. Die oppositionelle Labour-Partei beantragte für den 16. Januar eine Misstrauensabstimmung über May. In der EU changiert das Reaktionen-Spektrum der Spitzenpolitiker zwischen Ratlosigkeit und Wut. Andreas Meyer-Feist hat einige Stimmen eingefangen.


Hintergrund

Politik & Wirtschaft
Britisches Parlament lehnt Brexit-Abkommen ab
Das britische Unterhaus sagt No: Eine Zweidrittel-Mehrheit der Abgeordneten hat am 15. Januar gegen den Brexit-Deal von Premierministerin Theresa May mit der Europäischen Union gestimmt.

tagesschau.de
Schmerzen, Wut - und Ratlosigkeit
Der Paukenschlag aus London löst in der EU Schmerzen aus - aber auch Wut. Jetzt spielen Kommission und Parlament die Szenarien durch. Die Vorbereitungen für einen harten Brexit laufen.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 16.01.2019 auf SR 2 KulturRadio.

Artikel mit anderen teilen