"Ein Riesenproblem ist die Anonymität"

"Ein Riesenproblem ist die Anonymität"

Ein Gespräch mit dem Saarbrücker Informatiker Prof. Dr. Holger Hermanns

Audio: Holger Büchner, Foto: Oliver Dietze, Onlinefassung: Rick Reitler   08.01.2019 | 08:30 Uhr

Der Saarbrücker Informatiker Prof. Holger Hermanns glaubt, dass soziale Medien wie Facebook, Twitter und Co. sich wahrscheinlich "irgendwann überleben" werden, falls es nicht gelinge, die Nutzer aus der Anonymität zu holen. Im SR-Interview kritisierte er die mangelnde Verantwortungskultur im Netz.

"Ich finde die sozialen Medien fragwürdig in gewisser Weise, eben auch wegen der Anonymität." Nicht erst seit dem jüngsten Datenklau-Skandal nutzt der Saarbrücker Informatiker Prof. Holger Hermanns seinen eigenen Facebook-Account nur dann, "wenn es sein muss". Bei Twitter sei er sogar überhaupt nicht unterwegs, sagte er im Interview mit SR-Moderator Holger Büchner. Hermanns kritisierte vor allem die mangelnde Ethik im Netz, die mit der dort häufig ebenso mangelnden Verantwortungskultur Hand in Hand gehe.

Facebook - irgendwann "überlebt"?

Er glaube, dass soziale Medien wie Facebook, Twitter und Co. sich wahrscheinlich "irgendwann überleben" würden, falls es nicht gelinge, die Nutzer für ihr Treiben im Netz gerade stehen zu lassen - so wie es etwa im Straßenverkehr durch das Nummernschild am Auto oder Motorrad schon lange möglich sei. Die Anonymität des Internet sei von daher "ein Riesenproblem". "Ich hab das mal verglichen mit so Ausdünstungen, die aus dem Körper kommen, und die nicht gut riechen - da weiß man auch nicht, wo die herkommen", so Hermanns.

Eigenverantwortung zählt

"Jeder Einzelne trägt aber doch die Verantwortung für sein Handeln, insbesondere auch moralisch", sagte Hermanns. Auch wenn er selbst regelmäßig eine Vorlesung zum Thema Ethik speziell für Informatiker anbiete, unterscheide sich deren Inhalt nicht grundsätzlich von allgemein anerkannten ethischen Handlungsgrundsätzen. "Wenn jemand in 'ne Bank einbricht, oder in ein E-Mail-Konto oder mit dem Auto auf dem Fußweg fährt, um Leute zu überfahren, dann trägt natürlich der Täter dafür die Verantwortung - und nicht der Hersteller des Autos", brachte es Hermanns auf den Punkt.


Die Glosse zum Thema:

SR 2-Kolumnist Erik Heinrich
Das große Hacken
Spätestes seit dem jüngsten Datenklau-Skandal steht für Kolumnist Erik Heinrich fest: "Was wir brauchen, sind soziale Medien, die mit unserem Datengold sozial umgehen. Und wenn das die 'Kraken' nicht tun, müssen ihnen Politiker endlich so auf die Tentakeln hauen, dass es weh tut." Eine Glosse.


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Im Netz warten nicht nur nützliche Informationen und Tools. Immer öfter werden Internetnutzer zu Opfern von Hackerangriffen, die zum Beispiel private E-Mails abfangen oder Accounts auf sozialen Medien knacken. Mit einigen Tipps kann jeder für sich das Risiko senken, Opfer eines Cyber-Betrugs zu werden.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 08.01.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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