Kommentar: LSVS - Ein Jahr danach

LSVS - Ein Jahr danach

Ein Kommentar von SR-Landespolitikchef Michael Thieser ein Jahr nach Bekanntwerden der Millionenaffäre beim Landessportverband

Michael Thieser   20.12.2018 | 17:50 Uhr

Seit einem Jahr beherrschen skandalträchtige Nachrichten die Berichterstattung über den Landessportverband Saar (LSVS): schlechtes Management, Rücktritte, Entlassungen, Sanierungsstau, Millionenkosten für die Steuerzahler. Ob der neue LSVS-Präsident Adrian Zöhler ein guter Präsident werden kann, wird vor allem davon abhängen, ob er sein Versprechen von mehr Unabhängigkeit und Transparenz notfalls auch gegen den Willen der Politik durchsetzen kann, meint SR-Landespolitikchef Michael Thieser in seinem Kommentar.

Der neue LSVS-Präsident ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden!

Adrian Zöhler soll Ordnung bringen in einen Verband, der jahrzehntelang mehr oder weniger vor sich hin gewurstelt hat, in dem es keine wirkliche Finanz- und Geschäftsordnung gab, sondern in dem es am Ende alles auf den Präsidenten und seinen Hauptgeschäftsführer zugeschnitten war.

Es wurden Schecks verteilt, Gelder zweckentfremdet, in der Buchführung ging es drunter und drüber und das laut Satzung verantwortliche Präsidium hat weggesehen bzw. dem eigenen Präsidenten mehr oder weniger freie Hand gelassen.

Die Folge sind – ein Jahr nach Bekanntwerden der Affäre - ein Millionendefizit, mehrere Anklagen vor Gericht, Strafbefehle und über 40 Mitarbeiter, die inzwischen ihre Kündigung bekommen haben.

Der Saar-Sport steckt in seiner schwersten Krise und trotzdem gibt es auf der anderen Seite nach wie vor auch Verantwortliche von einst, die noch immer so tun, als hätten sie mit allem nichts zu tun. Der Auftritt der früheren Toto-Direktoren und Sportpräsidenten Kurt Bohr und Gerd Meyer im Untersuchungsausschuss des Landtags in dieser Woche war jedenfalls an Zynismus und Selbstgerechtigkeit kaum noch zu überbieten. Der eine schwieg komplett und der andere tat so, als sei er als Jurist und Ex-Chef der Staatskanzlei nicht in der Lage gewesen, 1+1 zusammenzuzählen, Fragen zu stellen und eine Bilanz auf ihre Plausibilität hin zu überprüfen.

Die Aufarbeitung der Schiefläge beim Landesportverband ist insofern noch lange nicht zu Ende. Es geht nicht nur um den zurückgetretenen Präsidenten Klaus Meiser, sondern das ganze hatte System. Die beiden großen Parteien CDU und SPD haben den Saar-Sport stets als eine ihrer wichtigsten Vorfeld-Organisationen angesehen und sich Posten, Einfluss und sonstige Annehmlichkeiten über Jahre hinweg gegenseitig zugeteilt und zugewiesen und nichts deutet darauf hin, dass sich daran etwas Grundlegendes ändern wird. Im Gegenteil: Nimmt man die Signale richtig wahr, dann wird derzeit aller Unkenrufe zum Trotz daran gearbeitet, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

Der Saar-Sport soll sich weiterhin selbst verwalten und seine Autonomie behalten. Doch hier liegt das eigentliche Problem. In allen anderen Bundesländern ist der Sport als ein eingetragener Verein oder als Stiftung organsiert und die Mittelvergabe erfolgt unter öffentlicher Kontrolle und der Mitwirkung des Parlaments - nur im Saarland ist dies nicht der Fall. Deshalb wäre es nur konsequent, jetzt auch hier die Weichen neu zu stellen.

Das saarländische Modell hat nicht funktioniert, doch CDU und SPD weigern sich weiterhin, dies offen einzugestehen. Stattdessen wird taktiert. Die beiden hoch dotierten Geschäftsführerposten bei der Saarland-Sporttoto GmbH werden Ende kommenden Jahres neu vergeben und man darf gespannt sein, was im Verlauf des Jahres 2019 passiert. Aus heutiger Sicht spricht vieles dafür, dass sich an den bisherigen Auswahlmodalitäten nichts ändern wird.

Ob es somit Politik und Sport gelingt, auf diese Weise verloren gegangenes Vertrauen bei den Saarländern wieder zurückzugewinnen, darf bezweifelt werden.

Der neue LSVS-Präsident Adrian Zöhler hat daran am wenigsten Schuld, sondern seine Startbedingungen könnten schwieriger kaum sein. Ob er ein guter Präsident wird, wird vor allem davon abhängen, ob er sein Versprechen von mehr Unabhängigkeit und Transparenz notfalls auch im Konflikt und gegen den Willen der Politik durchsetzen kann.

Die Öffentlichkeit dürfte er dabei auf seiner Seite haben! Ansonsten geht es für ihn darum, falschen Ratschlägen zu widerstehen. Denn nicht wenige, die zur jetzigen Situation mit beigetragen haben, sind hinter den Kulissen noch immer unterwegs!


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