Brexit-Einzelheiten noch lange nicht besiegelt

Brexit-Einzelheiten noch lange nicht besiegelt

Ein Interview mit London-Korrespondent Jens Peter Marquardt vor dem EU-Gipfel am 25. November 2018

Audio: Jochen Erdmenger / Bild: dpa, Virginia Mayo / Onlinefassung: Rick Reitler   23.11.2018 | 07:45 Uhr

Jene Unterhändler, die den EU-Sondergipfel am 25. November vorbereiten, haben offenbar einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem Interessen-Ausgleich zwischen Premierministerin Theresa May und der EU geschafft. Am Sonntag, 25. November, könnte der Brexit-Plan damit endlich feststehen.

Nur eine "grobe Richtung"

"Besiegelt ist das noch nicht", stellte London-Korrespondent Jens Peter Marquardt im Gespräch mit SR-Moderatot Holger Büchner klar. Immerhin seien große Teile der britischen Presse wenig begeistert von den Modalitäten.

Dennoch zeichne sich eine "grobe Richtung" ab, in der Großbritannien die Europäische Union wahrscheinlich im März 2019 verlassen können werde, und zwar innerhalb einer "ambitionierten, breiten und engen Partnerschaft" und einem "Freihandelsabkommen, das beispiellos ist in der Welt", ohne Zölle, aber auch ohne Freizügigkeit für EU-Bürger und wohl auch ohne eine gemeinsame Agrar- und Fischereipolitik.

Mehrheit im Parlament unwahrscheinlich

Insgesamt gebe es jedenfalls noch "eine Menge" nachzuverhandeln in den nächsten Jahren, so Marquardts Einschätzung. So erwähne das aktuelle Grundlagenpapier beispielsweise die Situation Gibraltars mit keinem Wort.

Gibraltar
Die britische Mini-Exklave Gibraltar liegt in Südspanien. Weil dort tausende Spanier arbeiten, will die spanische Regierung erst dann dem Brexit-Abkommen zustimmen, wenn sie ein Mitspracherecht über den Status Gibraltars bekommt.

"Noch spannender als das, was am Sonntag in Brüssel passiert, wird das, was danach in den nächsten zwei, drei Wochen hier in Großbritannien, im Parlament passiert", sagte Marquardt voraus. Immerhin müssten die Ergebnisse der Verhandlungen zwischen Premierministerin May und der EU noch vom britischen Parlament abgesegnet werden. "Und da zeichnet sich bisher überhaupt keine Mehrheit dafür ab", so Marquardt, "das Abkommen wird bekämpft von allen Seiten." Mays Unterstützer seien jedenfalls in der Minderheit.


Die zweite Perspektive:

Was denkt die deutsche Wirtschaft vor dem Brexit-Sondergipfel?
Audio [SR 2, Stephan Deppen, 23.11.2018, Länge: 06:14 Min.]
Was denkt die deutsche Wirtschaft vor dem Brexit-Sondergipfel?
Sollte das Arbeitspapier zum Brexit, das als Grundlage zum EU-Sondergipfel am 25. November dienen wird, von Großbritannien und der EU akzeptiert werden, welche Konsequenzen hätte das für deutsche Unternehmen und die Volkswirtschaft? SR-Politikredakteur Stephan Deppen hat bei Jürgen Matthes vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln u. a. über die internationalen Risiken und die Rolle Gibraltars gesprochen.


Hintergrund:

tagesschau.de: Brexit
Vor dem EU-Sondergipfel
Nach der Einigung auf einen Brexit-Vertragsentwurf will die EU den nächsten Schritt gehen: Ratspräsident Tusk kündigte für den 25. November einen Sondergipfel an.

Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 23.11.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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