Mehr als nur Muskelspiel?

Mehr als nur Muskelspiel?

Osteuropa-Experte Dr. Stefan Meister (DGAP)

Audio: Kai Schmieding, Foto: dpa/AP/Alexander Shulman, Onlinefassung: Rick Reitler   27.11.2018 | 07:15 Uhr

Nach dem Stoppen dreier ukrainischer Schiffe an der Krim mit Waffengewalt durch die russische Marine befürchtet der Osteuropa-Experte Dr. Stefan Meister eine Eskalation des seit Jahrzehnten ungelösten Konflikts. Letztlich gehe es um die Kontrolle der Schwarzmeerregion, sagte Meister im Gespräch mit SR 2-Moderator Kai Schmieding.

Wer kontrolliert die Schwarzmeerregion? Das ist nach Aufassung von Dr. Stefan Meister, dem Leiter des Robert Bosch-Zentrums für Mittel- und Osteuropa, Russland und Zentralasien der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) der Hintergrund der aktuellen Eskalation des militärischen Konflikts zwischen Russland und der Ukraine in der Wasserstraße von Kertsch in unmittelbarer Nähe der Halbinsel Krim. Seit Monaten könne man beobachten, wie Russland "massiv Militär um diese Meeresenge" aufbaue oder Handelsschiffe stoppe und tagelang kontrolliere.

Potenzial für Eskalation

Dass die russische Marine nun drei ukrainische Schiffe mit Waffengewalt "aufgebracht" habe, bedeute "eine nächste Eskalationsstufe", sagte Meister im Gespräch mit SR 2-Moderator Kai Schmieding. Es gebe auch die "These, dass Moskau immer noch ein Interesse hat, eine Landbrücke zu bauen zwischen der Krim und dem russischen Festland", so Meister. Mittelfristig sei auf jeden Fall "das Potenzial da", um den Konflikt für die gesamte Schwarzmeerregion weiter eskalieren zu lassen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko nutze nun die Lage, um mit der Ausrufung des Kriegsrechts innenpolitisch Punkte für die nächste Wahl zu sammeln, glaubt Meister.

Nicht provozieren!

Die NATO tue gut daran, sich nicht in den Konflikt hineinziehen zu lassen und schon gar nicht Russland zu provozieren, empfiehlt Meister. Immerhin gehe es Russland in der Ukraine auch um einen "Stellvertreterkrieg" mit der NATO, die ja auf Seite der Ukraine stehe. Für den besseren Weg hält er Diplomatie - mit höchstens moderaten Sanktionen gegen die Putin-Regierung in Moskau: "Die NATO sollte hier schon erstmal rhetorisch reagieren, aber eben auch stärker Präsenz zeigen, abschrecken in der Schwarzmeerregion." Dabei könnten eventuell auch Deutschland und Frankreich eine Vermittlerrolle spielen.

Ein Thema in der Sendung "Der Moegen" vom 27.11.2018 auf SR 2 KulturRadio.


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