"Irgendwo finden die Banker und Berater doch wieder eine Lücke"

"Irgendwo finden die Banker und Berater doch wieder eine Lücke"

Ein Gespräch mit Jennifer Lange (NDR info) über die Recherchen zum Cum-Ex-Skandal

Audio: Jochen Marmit / Foto: dpa, Alexander Heinl   19.10.2018 | 07:45 Uhr

38 Spitzenjournalisten aus zwölf europäischen Ländern haben gemeinsam einen gigantischen Geldanlage-Skandal aufgedeckt: Bei so genannten Cum-Ex-Geschäften werden Aktienpakete zu einem bestimmten Zeitpunkt derart raffiniert hin- und hergeschoben, dass der deutsche Fiskus letztlich Steuergelder in MIlliardenhöhe "zurück" erstatten muss, die zuvor nie bezahlt wurden.

Politiker ratlos

Für Deutschland bedeutet das die Enthüllung des vermutlich größten Steuerraubs aller Zeiten. Der eigentlich Skandal aber ist, dass die zuständigen Politiker die Cum-Ex-Gewinnler trotz gegenteiliger Versprechen offensichtlich jahrelang weiter gewähren ließ.

Von Hasen und Igeln

SR 2-Moderator Jochen Marmit hat sich die Geschichte von Jennifer Lange erklären lassen, die im Rechercheteam den Sender NDR Info vertrat. Trotz des Enthüllungserfolgs blickt sie skeptisch in die Zukunft. Selbst wenn Legislative, Exekutive und Judikative dem Cum-Ex-Treiben eine Riegel vorschieben könnten, würde von den Investment-Profis wahrscheinlich schon wieder die nächste Betrugsmasche ausgebrütet: "Irgendwo finden die Banker und Berater doch wieder eine Lücke", so Lange.


Hintergrund

tagesschau.de: Cum-ex-Files
Angriff auf Europas Steuerzahler
Es geht um mindestens 55 Milliarden Euro: Der organisierte Griff in die Steuerkasse durch "steuergetriebene Aktiengeschäfte" ist viel größer als angenommen. Das belegen Recherchen europäischer Medien, an denen auch die ARD beteiligt ist.

Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 19.10.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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