"Bei der SPD ist nichts normal"

"Bei der SPD ist nichts normal"

ARD-Hauptstadtkorrespondentin Sabine Müller über die Lage der SPD

Audio: Jochen Marmit, Sabine Müller; Foto: dpa/Carsten Koall; Onlinefassung: Rick Reitler   16.10.2018 | 07:50 Uhr

Nicht erst seit dem desaströsen Abschneiden bei der Bayern-Wahl knirscht es in der SPD zwischen Parteiführung und Parteibasis: Offenbar gibt es Wahrnehmungsunterschiede über das tatsächliche Ausmaß des Vertrauensschwunds. Die Aufarbeitung aber wird wohl frühestens nach der Hessen-Wahl erfolgen, sagt ARD-Hauptstadtkorrespondentin Sabine Müller.

Die einst stolze Volkspartei SPD hat in Bayern erstmals bei einer Landtagswahl noch nicht einmal mehr die Zehn-Prozent-Marke geknackt. Sie wurde nur noch fünftstärkste Kraft - hinter der CSU, den Grünen, den Freien Wählern und der AfD.

Werden die Durchhalteparolen von Andrea Nahles genügen, um die SPD aus dem Jammertal zu führen? Längst nicht jeder Sozialdemokrat glaubt noch daran, wie ARD-Hauptstadtkorrespondentin Sabine Müller festgestellt hat: Offenbar gibt es starke Wahrnehmungsunterschiede zwischen Parteiführung und Parteibasis über den Vertrauensschwund, der bei den Menschen tatsächlich erfolgt sei. "Sie verstehen es nicht und sie wollen es auch in weiten Teilen nicht hören", sagt etwa der bayerische SPD-Bundestagsabgeordenete Klaus Barthel über SPD-Chefin Andrea Nahles und ihren Vize Olaf Scholz.

Warten auf den 28. Oktober

"Jetzt erstmal volle Konzentration auf die Landtagswahl in Hessen" - sehr viel mehr sei beim kurzfristigen Krisentreffen des SPD-Vorstands am 15. Oktober nicht herausgekommen, so Müller. "Alle müssen sich jetzt auf die Unterstützung von Thorsten Schäfer-Gümbel konzentrieren", fordert etwa Alexander Schweitzer, der Fraktionsvorsitzende der SPD im rheinland-pfälzischen Landtag, mit Blick auf den nächsten Wahlsonntag am 28. Oktober.

Der Fahrplan nach der Hessen-Wahl scheint auch schon festzustehen: Anfang November will die SPD-Spitze in Klausur gehen, um die Lage zu analysieren. Geht es darüber hinaus nach dem aktuellen Vorstoß von Juso-Chef Kevin Kühnert, so soll die Partei zum Ende des Jahres ihre Beteiligung an der GroKo noch einmal überdenken. Ob es so weit kommt? Für Sabine Müller ist klar: "Nach der Hessen-Wahl - das ist die neue Zeitrechnung bei den Genossen."


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