"Es geht bequem mit den Freien Wählern"

"Es geht bequem mit den Freien Wählern"

Ein Gespräch mit dem Politikredakteur Arne Wilsdorff, Bayerischer Rundfunk

Audio: Jochen Marmit, Foto: dpa/Peter Kneffel, Onlinefassung: Rick Reitler   15.10.2018 | 06:45 Uhr

Nach dem historischen Absturz der CSU auf nur noch gut 37 Prozent der Stimmen wird der alte und neue bayerische Ministerpräsident Markus Söder wahrscheinlich mit den konservativen, eher kommunal verwurzelten "Freien Wählern" als Koalitionspartner weiter regieren, meint BR-Redakteur Arne Wilsdorff im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Marmit.

Was setzen die Freien Wähler durch?

Die Schnittmengen der CSU und der mit gut 18 Prozent erstarkten Grünen scheinen Wilsdorff zu gering für ein Bündnis. Die Freien Wähler aber seien "Fleisch vom Fleisch" der CSU. "Die wollten halt nur nicht bei dem ganzen Partei-Postengeschacher und der jahrzehntelangen CSU-Dominanz mitmachen, waren enttäuschte Kommunalpolitiker", stellte Wilsdorff klar. Einige ihrer Ideen könnten nun durchaus Eingang in die Landespolitik finden, etwa die Rückkehr zum neunjährigen Gymansium, die Abschaffung der Studiengebühren oder die Abschaffung des Söderschen Familiengeldes zu Gunsten kostenfreier Kitas für alle.

Wird Seehofers Kopf rollen?

Für Wilsdorff stellt sich nun vor allem die Frage, wie die CSU-Basis "nach dem schlechtesten Wahlergebnis seit 1950" mit Horst Seehofer umgehen wird. Immherin sei "ein großes Grummeln" an der Basis gegen Seehofer spürbar. "Die Gefahr besteht: Wenn Horst Seehofer fällt, reißt er Markus Söder mit", erklärte Wilsdorff. "Das will wiederum die Landtagsfraktion nicht, die den Ministerpräsidenten wählt. Die wollen mit Markus Söder weiter machen, jetzt dann in einer bequemen Koalition mit den freien Wählern."


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