"Vermutlich wird Xavier Bettel sich halten können"

"Vermutlich wird Xavier Bettel sich halten können"

Ein Interview mit der Politikwissenschaftlerin Anna-Lena Högenauer von der Universität Luxemburg

Jochen Marmit / Onlinefassung: Martin Breher   15.10.2018 | 07:55 Uhr

Luxemburg hat gewählt, doch an der bisherigen Regierung aus Liberalen, Grünen und Sozialdemokraten um Ministerpräsident Xavier Bettel wird sich nicht viel verändern, prognostiziert die Politikwissenschaftlerin Anna-Lena Högenauer von der Uni Luxemburg im SR 2-Interview. Das "vage Ergebnis" liege auch daran, dass "der Wahlkampf sehr, sehr langweilig war", so Högenauer.

Luxemburg hat gewählt, doch es sieht nach einem "Weiter so" aus: Die Christsozialen (CSV) sind, wie bereits vor fünf Jahren, wieder die stärkste Fraktion. Die Grünen - bisher in der Regierung - haben zwar deutlich zugelegt, die bisherigen Koalitionspartner, also die Liberalen (DP) von Premierminister Xavier Bettel und die Sozialdemokraten (LSAP), erlitten jedoch Einbußen. Realistisch sind also zwei Koalitionen möglich: CSV-DP und LSAP-DP-Grüne, die bisher regierende Koalition.

Die Politikwissenschaftlerin Anna-Lena Högenauer von der Uni Luxemburg (Foto: Anna-Lena Högenauer)
Anna-Lena Högenauer

"Es sieht so aus, als würde die jetzige Koalition weitermachen mit einer knappen Mehrheit von einem Sitz", glaubt die Politikwissenschaftlerin Anna-Lena Högenauer von der Universität Luxemburg im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Marmit. Auch der Regierungschef werde vermutlich derselbe bleiben, sagt Högenauer voraus: "Vermutlich wird Xavier Bettel sich halten können", und das, obwohl "die Sozialdemokraten den Anspruch auf den Posten erhoben haben". Die hätten zwar mehr Stimmen erhalten, aber durch eine ungünstige Stimmenverteilung zwei Sitze verloren.

Was waren die Themen im Wahlkampf?

"In Luxemburg ist es tatsächlich so, dass die Mieten und die Infrastruktur die dringendsten Probleme sind", erklärt Högenauer. Bei diesen Themen würden die "Probleme des Wachstums" besonders deutlich. "In Luxemburg gibt es eine Debatte darüber, ob das Land zu stark wächst, ob wir das erfolgreich managen können in den nächsten Jahren". Das Thema Europa sei weitestgehend aus dem Wahlkampf ausgeklammert worden, da sich die Parteien hier sowieso sehr einig seien. Auch das Thema Rechtspopulismus habe in Luxemburg kaum eine Rolle gespielt.


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