Riesenklatsche für CSU, Alarmglocken für SPD

Riesenklatsche für CSU, Alarmglocken für SPD

Ein Gespräch mit ARD-Hauptstadtkorrespondentin Nina Barth

Audio: Thomas Shihabi, Foto: dpa/Daniel Karmann, Onlinefassung: Rick Reitler   15.10.2018 | 12:45 Uhr

Auch wenn die CSU am Ende doch noch gut vier Prozentpunkte mehr an Wählerstimmen eingesammelt hat als noch wenige Tage vor der Landtagswahl vorhergesagt, kommt die bayerische Volkspartei nicht um die Erkenntnis herum, dass sie nicht einfach "weiter machen" kann wie bisher - so die Einschätzung von ARD-Hauptstadtkorrespondentin Nina Barth im Gespräch mit SR 2-Moderator Thomas Shihabi. Sie gehe trotzdem nicht davon aus, dass Horst Seehofer seine Ämter zur Verfügung stellen werde.

SPD am Boden

Nach dem desaströsen Ergebnis der Bayern-SPD mit unter zehn Prozent Stimmen für ihre Spitzenkandidatin Natscha Kohnen sieht Barth bei den Sozialdemokraten auch auf Bundesebene "sämtliche Alarmglocken" schrillen. "Es gibt noch ein anderes Ergebnis, das die SPD wirklich erschrecken muss", gab Barth zu bedenken, "und das ist, dass drei Viertel der Bayern vor dieser Wahl gesagt haben, sie finden, es ist an der Zeit, dass sich die SPD in der Opposition erneuert." Dies sähen sogar fast 90 Prozent der eigenen Anhänger so.

Der Blick zu Bouffier

Sollte sich in zwei Wochen auch Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier nicht halten können, dann werde es "ungemütlich" für die christdemokratische Partei und sogar für die Bundeskanzlerin und Parteivorsitzende Angela Merkel. Bis dahin aber würden sich sicher alle verlustreichen Parteien bemühen, "den Ball einigermaßen flach zu halten", so Barth.


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