"Die Politik ist zu ängstlich, etwas gegen die Interessen der Industrie zu tun"

"Die Politik ist zu ängstlich, etwas gegen die Interessen der Industrie zu tun"

Ein Gespräch mit Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, Kiel

Audio: Jochen Erdmenger / Onlinefassung: Rick Reitler   09.10.2018 | 07:45 Uhr

Die Erderwärmung erfolgt schneller und mit schlimmeren Folgen für Mensch und Umwelt als bisher angenommen - das ist die Kernaussage eines Sonderberichts des Weltklimarats, der am 8. Oktober vorgestellt wurde.

Kohleausstieg problemlos möglich?

Höchste Zeit, nach 30 Jahren politischem Zögern endlich konkret gegenzusteuern, meint der Klimaforscher Prof. Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel im SR 2-Interview. Er fordert u. a. einen sofortigen Ausstieg Deutschlands aus der Kohleverstromung: Die schmutzigsten Kraftwerke könne man sofort "abstellen, ohne dass die Energiesicherheit gefährdet wäre".

Ankündigungen ja, Taten...?

Viel Hoffnung aber setze er nicht auf jene, die die Macht hätten, etwas zu tun - nämlich auf die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker: "Die Politik" sei trotz aller Ankündigungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen noch immer "zu ängstlich, etwas gegen die Interessen der Industrie zu tun", stellte Latif fest. Letztlich fehle der politische Wille "nicht nur bei uns in Deutschland, sondern der fehlt weltweit."


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 09.10.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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