"Ich bin von den Stiftungen sehr enttäuscht"

"Ich bin von den Stiftungen sehr enttäuscht"

Ein Interview mit Ex-Vize-Chefredakteur Bernard Bernarding zum geplanten Stellenabbau bei der Saarbrücker Zeitung

Kai Schmieding / Onlinefassung: Martin Breher   10.10.2018 | 10:55 Uhr

Bis zu 100 Stellen will die Saarbrücker Zeitungsgruppe streichen, um auf steigende Kosten und den weiter einbrechenden Werbemarkt zu reagieren. Im SR 2-Interview kritisiert Bernard Bernarding, der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung, den Stellenabbau und fordert mehr Engagement von den Anteilseignern - ganz besonders von den saarländischen Stiftungen.

"Ich war nicht überrascht", sagt Bernard Bernarding im SR 2-Interview über den geplanten Stellenabbau bei der Saarbrücker Zeitungsgruppe. Auch Zeitungsunternehmen seien Wirtschaftsunternehmen und "müssen sich an den Gesetzen der Ökonomie orientieren", erklärt Bernarding, der fast drei Jahrzehnte lang als stellvertretender Chefredakteur die Saarbrücker Zeitung inhaltlich geprägt hatte, bis er 2015 in den Ruhestand ging. Dennoch, sagt er:

Zeitungshäuser sind keine Schraubenhersteller oder Würstchenfabrikanten. Die Medien haben auch einen kulturellen und einen gesellschaftlichen Auftrag.

Bernarding erklärt, dass die Saarbrücker Zeitungsgruppe "schon in den 70er- und 80er-Jahren" auf die Digitalisierung reagiert und "diversifiziert" habe. Er erwarte nun in der "Krisenzeit" von der Geschäftsführung und den Anteilseignern, zu denen auch diverse saarländische Stiftungen gehören, dass "der eine Teil der Familie" nun "dem notleidenden Teil der Familie" helfe.

Doch eben das geschehe nicht: "Ich bin von den Stiftungen sehr enttäuscht", sagt Bernarding über die parteinahen Stiftungen der saarländischen CDU, SPD und FDP, die zusammen als "Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar mbH" 26 Prozent der Zeitungsgruppe halten. Obwohl die Stiftungen 1956 nur aus dem Zweck gegründet worden seien, "um saarländische Interessen wahrzunehmen", passiere das nicht:

Man hört praktisch nichts von denen, sie kassieren jedes Jahr Unmengen an Gewinnen der SZ ab und machen dafür ein paar Veranstaltungen in ihren prächtigen Bauten.

Bernarding erwartet von den Stiftungen, dass sie "mal aktiv werden und was vernünftiges tun, zum Beispiel die Frage stellen: Wie können wir der Krise, die durch die Digitalisierung entstanden ist, entgegensteuern?"

Eine Entlassung von Personal könne hier aber nicht die Lösung sein, so Bernarding, vor allem weil die Saarbrücker Zeitungsgruppe als Betriebsergebnis noch "ganz stolze Zahlen" vorweisen könne:

Je mehr man entlässt, umso mehr schwächt man das Unternehmen. Wenn man seine besten Pferde im Stall verkauft, braucht man sich nicht zu wundern, dass man im Parcours hinterherläuft und kein Spiel mehr gewinnt.

Die Reaktion

Der Vorsitzende der Union Stiftung, Rechtsanwalt Hans-Georg Warken, widersprach Bernardings Aussagen gegenüber dem SR: "Im Aufsichtsrat und Verlagsausschuss arbeiten die Mitglieder der politischen Stiftungen intensiv daran, dass im Hinblick auf die Probleme, mit denen Print Medien zu kämpfen haben, Lösungen erarbeitet werden, die die SZ nicht schwächen sondern sie vielmehr in die Lage versetzen, die derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen zu meistern", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme vom 9. Oktober.

Warken bezeichnete Bernarding zudem als "nicht sehr präzise im Bild": Die "Gesellschafter der Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung" seien "nicht die Partei-Stiftungen von SPD CDU oder FDP".

Sehr wohl aber sei es die Aufgabe dieser Gesellschafter - nämlich der Villa Lessing, der Stiftung Demokratie und der Union Stiftung - "vornehmlich staatsbürgerliche Bildung zu betreiben". Dabei seien sich diese Stiftungen "sehr wohl der Verantwortung als Gesellschafter der Saarbrücker Zeitung Druckerei und Verlag GmbH bewusst" und handelten "entsprechend", schrieb Warken. "Eines besonderen 'Aufrufes' von Herrn Bernarding bedarf es hierzu nicht", so die Meinung des Juristen.


Hintergrund:

Medien
Saarbrücker Zeitung will 100 Stellen abbauen
Die Saarbrücker Zeitungsgruppe hat den bereits im Juli angekündigten Stellenabbau präzisiert. Nach SR-Informationen sollen 60 Stellen bei den Verlagen sowie 40 Jobs in den Redaktionen der zugehörigen Zeitungen gestrichen werden.

Ein Thema in der Sendung "MedienWelt" vom 06.10.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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