"Die Finanzkrise hat eine große Verunsicherung gebracht"

"Die Finanzkrise hat eine große Verunsicherung bei vielen Bürgern gebracht"

Ein Gespräch mit dem Europa-Abgeordneten Sven Giegold (Bündnis 90/Die Grünen) über zehn Jahre Lehman-Brothers-Pleite

Audio: Holger Büchner / Foto: dpa, Bernd Thissen / Onlinefassung: Rick Reitler   06.09.2018 | 06:55 Uhr

Zehn Jahre nach der Lehman-Brothers-Pleite hat Sven Giegold, Europa-Abgeordneter der Grünen, im SR 2-Interview zwei Folgen der globalen Finanzkrise erläutert: Einerseits habe die EU eine verbesserte Aufsicht über die Großbanken erreicht, andererseits hätten manche Staaten und Regierungen aber auch das Vertrauen vieler Bürger verloren.

Der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold (Foto: dpa / picture alliance / Bernd Thissen)
Der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold

Im September 2018 jährt sich die Pleite der amerikanischen Bank "Lehman Brothers" zum zehnten Mal. Eine Kettenreaktion wurde damals ausgelöst, deren Folgen noch heute spürbar sind: Zum Beispiel allgemeines Misstrauen gegen die Finanzbranche, Investitionszurückhaltung, zu wenig Kreditnachfrage, Niedrigzinsen für Erspartes, gigantische Schuldenberge in vielen Staatshaushalten... und natürlich generell die Last der milliardenschweren Rettungspakete für jene Banken, die im Sog der Lehmann-Pleite ebenfalls in Schwierigkeiten gerieten.

Aufsicht über die Großbanken verbessert

Seit dem Lehman-Schock aber hat sich finanzpolitisch nicht viel geändert, meint Sven Giegold, Europa-Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen und Mitgründer von Attac: Das globale Finanzsystem sei zwar "besser aufgestellt als vor Lehmann, aber nach wie vor instabil", sagte er im Gespräch mit SR 2-Moderator Holger Büchner. Es gebe "immer noch zu wenig Eigenkapital und zu viel Verschuldung im Finanzsystem". Mit der EU-weiten gemeinsamen Aufsicht über die Großbanken habe man allerdings immerhin "einen großen Schritt nach vorne gemacht", räumte Giegold ein.

Gefährliche Folgen

Für viele Menschen habe die Finanzkrise von 2008 allerdings zu anhaltender Verunsicherung und großem Misstrauen gegenüber jenen Regierungen und bzw. Staaten geführt, die Banken und ihre Eigentümer sehr schnell mit Steuergeldern entschädigt hätten, während sie ihre ärmeren Bürger bis heute nicht ausreichend unterstützten. Diese Einschätzung vieler Bürger habe den Boden für Autoritarismus, Nationalismus und Populismus bereitet, so die Einschätzung Giegolds. "Das ist sehr gefährlich, weil viele der Weltprobleme können wir eben nicht mehr national lösen."

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 06.09.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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